Paul Brusanowski/Dietmar Schon OP (Hgg.):
Kirchliche Tradition – Wegweisung für die Zukunft?
Impulse für eine Erneuerung der kirchlichen Sendung in Ost und West.
Pustet Verlag Regensburg 2025.
192 Seiten, ISBN 978-3-791-73572-6
Der Band 10 der Schriftenreihe des Ostkircheninstituts der Diözese Regensburg beschäftigt sich mit dem vieldiskutierten Thema Tradition. Gleichzeitig ist er die Dokumentation eines in Regensburg zum Thema durchgeführten gleichnamigen Fachkolloquiums von 2023. „Tradition“ wird hier verstanden als die Frage nach „dem einzuschlagenden Weg, auf dem die kirchliche Sendung ihr Ziel, die Menschen, am effektivsten erreichen kann“. (S. 7) Dass die Sichtweisen dazu stark unterschiedlich sind, liegt auf der Hand. Die Beiträge des Bandes – sie verstehen sich als einige wenige Mosaiksteine zum Thema – befassen sich in drei Blöcken u .a. mit der Frage des Traditionsverständnisses des Zweiten Vatikanischen Konzils, das hier bedeutende Weichen für den ökumenischen Dialog gestellt hat. An weiteren Beispielen wird aufgezeigt, was Tradition auch für die konfessionelle Identität bedeutet. Im zweiten Block geht es um die Frage des Einflusses von „Tradition“ auf Vorhaben bzw. Weichenstellungen, die die Zukunft einer Kirche betreffen. Ein herausragendes Beispiel dafür ist die Patriarchalsynode der Maroniten der Jahre 2003 bis 2006, deren Dokumente Dietmar Schon analysiert. Sie können wegen ihrer Ausgewogenheit, Offenheit und Versöhnlichkeit vorbildhaft und zukunftsweisend. Der dritte Block befasst sich mit „Tradition“ in ökumenischer Tragweite und zeigt eindrucksvoll auf, wie unterschiedlich in den Kirchen „Tradition“ verstanden wird und wie genau deshalb beim Gebrauch dieses Wortes hingesehen werden muss. Es geht um mehr als um Lehrsätze oder Texte, die einfach weitergegeben werden, weil sie „immer richtig sind“, sondern – so ein Konsens – um eine Lebensweise im Sinne Jesu. Dass diese heute anders sein muss als in der Vergangenheit ist zwar selbstverständlich, sie zu finden die große Herausforderung. Gesprächsbedarf besteht daher weiterhin. (Hanns Sauter)

