St. Andrä am Zicksee: Ein Kloster, das polarisiert?

Kloster St. Andrä, Foto: Mischa Maodus

Von links nach rechts: P. Rafael, Abt Paisios, Prof. em. Johannes Hofmann, Abt Michael Proházka OPraem, Foto: Mischa Maodus

Das Foto, das anlässlich des Besuches von Abt Paisios und P. Rafael aus dem griechisch-orthodoxen Maria Schutzkloster am 8. September 2016 im Stift Geras entstand, zeugt von freundschaftlicher Verbundenheit zwischen den Prämonstratensern von Geras und der orthodoxen Mönchsgemeinschaft, die im Vorjahr vom Pfarrhof in Weiden am See in ein Haus in St. Andrä am Zicksee umgezogen ist. Am 2. Oktober 2016, dem Hochfest Maria Schutz, zugleich Titelfest des Klosters, fand ein Gottesdienst mit feierlicher Prozession zum Grundstück statt, auf dem das Kloster errichtet werden soll. Nun regt sich Widerstand gegen den Klosterbau, was Abt Michael in seiner hier wörtlich übernommenen Kolumne in den Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN) vom 13. Jänner 2017 aufgriff:

„Das Kloster, das polarisiert“ – so steht es in einer großen österreichischen Tageszeitung. Gemeint ist der Bau des ersten griech.-orth. Klosters auf österreichischem Boden im burgenländischen St. Andrä am Zicksee. Gegner des Klosters versuchen laut Pressemeldungen, den Bau zu verhindern und die schon beschlossene Umwidmung des Grundstückes rückgängig zu machen.Wohlgemerkt – ich maße mir in diesem Zusammenhang kein Urteil an, warum es überhaupt so weit kommen konnte und ob man im Vorfeld durch kluge Informationspolitik das Ganze verhindern oder wenigsten abmildern hätte können.

Nachdenklich machen mich die jetzigen Ereignisse dennoch: Wieso kann der Klosterbau einer in Österreich staatlich anerkannten christlichen Religionsgemeinschaft überhaupt polarisieren? Wo bleibt hier die viel beschworene – auch religiöse – Toleranz? Wo bleiben die Vertreterinnen und Vertreter des öffentlichen Lebens und der kirchlichen Gemeinschaften, die sofort „Schützenhilfe“ leisten müssten?

Eine Klostergründung kann meiner Meinung nach nur segensreich sein – für die dortigen Menschen und für unsere gesamte religiöse Landschaft! Wenn wir hier nicht ökumenische Solidarität zeigen, dann sind unser ganzes Reden und unsere Zusammenkünfte nur „tönendes Erz und klingende Schelle“! Als Abt eines niederösterreichischen Grenzlandklosters, das selbst den byzantinischen Ritus pflegt (wie etwa auch das bayrische Benediktinerkloster Niederaltaich oder das belgische Kloster Chevetogne), möchte ich eine Lanze für diesen Klosterbau brechen und meine orthodoxen Brüder in ihrem so notwendigen Anliegen unterstützen.

Ostkirchliche Spiritualität und Liturgie sind ein sinnvolles Gegengewicht zu unserer oft allzu „verkopften“ und moralisierenden Religiosität! Und – ehrlich gestanden – ich bin zutiefst dankbar, dass wir in Niederösterreich ein ausgezeichnetes ökumenisches Klima haben, das ich persönlich immer wieder erfahre und das auch von den Vertreterinnen und Vertretern des öffentlichen Lebens voll und ganz gefördert wird!