Buchbesprechung: „Alexander Men”

Wolfgang Schmidinger (Hg.): Alexander Men – Gespräche über Glaube und Kirche.
Wien/Berlin: LIT-Verlag 2010.
(orientalia-patristica-oecumenica vol. 3)
ISBN 978-3-64350244-5

Buchcover

Alexander Men (1935-1990) gehörte zu den führenden Intellektuellen der russisch-orthodoxen Kirche des 20. Jh. Hineingeboren in die Sowjetunion Stalins begann er mit einem intensiven, zwischen naturwissenschaftlichen und theologischen Disziplinen breit gefächerten Selbststudium und fand dabei zum Glauben. Seine Ausbildung an einer staatlichen Akademie für Landwirtschaft musste er abbrechen, als seine Tätigkeit als Heizer in der Diözesanverwaltung in Irkutsk bekannt wurde. Im Fernstudium absolvierte er das Leningrader Priesterseminar und wurde 1960 zum Priester geweiht. Neben seiner Tätigkeit als Pfarrer kleiner Gemeinden beschäftigte er sich mit religionsphilosophischen und theologischen Arbeiten. Dadurch übte er großen Einfluss auf die wissenschaftliche Intelligenz aus und genoss große Popularität. Der vorliegende Band enthält in deutscher Übersetzung zwei seiner wichtigsten Abhandlungen. „Veruju“ (Credo) ist eine faszinierende Erklärung des Glaubens auf der Grundlage des Glaubensbekenntnisses von Nizäa und Konstantinopel („Großes Glaubensbekenntnis“), die besonders an religiös interessierte Intellektuelle gerichtet ist. „Domasnie Besedy – O Christe i Cerkvi“ (Christus und die Kirche) ist eine Sammlung von Vorträgen, die er bis zu seinem gewaltsamen Tod 1990 vor einem ganz unterschiedlichen Publikum hielt, das in der Zeit der verfallenden Sowjetunion nach geistiger Orientierung suchte. Alexander Men erweist sich als umfassend gebildeter Mann, der seiner Zeit und Kirche auch in seinem ökumenischem Denken weit voraus war. Sein Bemühen war, den Menschen in einer ihnen verständlichen Sprache das Evangelium zu verkünden, einen weltbejahenden Glauben zu vermitteln und sie durch eine kompetente geistliche Begleitung zu mündigen Christen heranzubilden, die in einer glaubensfeindlichen oder -gleichgültigen Welt Zeugnis dafür geben, dass es auch einen anderen Weg gibt. Dabei ist manche Passage seiner Schriften interessant im Blick auf Fragestellungen, mit denen sich die katholische Kirche heute auseinandersetzen muss! Die spannend zu lesende Einleitung ordnet Alexander Men in die Sowjetunion der Jahre 1935 bis 1989 ein. Auf ihrem Hintergrund erhalten seine Person und seine Schriften eine noch stärkere Aussagekraft. (Hanns Sauter)