Interview mit V. Alexander Lapin

(aus: Rundbrief 2011/2)

Anlässlich der Ernennung von Univ.-Doz. DDDr. Alexander Lapin zum ersten Seelsorger der ca. 500 orthodoxen Angehörigen des Österreichischen Bundesheeres, darunter rund 50 Offiziere, und seines Amtsantrittes am 1.7.2011 führte Militärkurat Stefan Gugerel, Referent des Andreas-Petrus-Werks für das Militärordinariat, mit dem neuen orthodoxen Militärseelsorger an der Heeresunteroffiziersakademie in Enns das folgende Interview.

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Für österreichische Gepflogenheiten speziell im Kontext des Militärwesens überraschend stellt der Gesprächspartner gleich zu Beginn klar, dass er gemäß orthodoxer Tradition auf akademische Titel und wohlklingende Nachnamen keinen Wert legt und so angesprochen werden will, wie orthodoxe Priester auch sonst angesprochen werden, nämlich mit „Vater“ und dem Taufnamen.

G: V. Alexander, vielen Dank für die Bereitschaft zum Interview. Darf ich um einige Informationen zur Person des neuen Militärseelsorgers bitten?

V. Alexander: 1984 absolvierte ich in der Raab-Kaserne in Mautern meinen Grundwehrdienst. Ich wurde in Prag geboren, wobei meine Vorfahren ursprünglich aus Russland kamen. Daher die Verbindung zur Russischen Orthodoxen Kirche. Ich maturierte dann in Wien, wo ich auch Chemie und Medizin studierte. Später schloss ich ein Studium der Theologie an der Universität Prešov (Slowakei) ab, wobei ich als Thema der Dissertation „Medizinische Ethik aus Sicht orthodoxer Theologie und Geschichte“ wählte. 2003 wurde ich zum Priester geweiht. Ich bin verheiratet und Vater dreier Kinder.

G: Welche Voraussetzungen braucht man als orthodoxer Militärseelsorger?

V. Alexander: Zunächst einmal wurde ich von der Orthodoxen Bischofskonferenz bestellt, in der alle in Österreich anerkannten orthodoxen Kirchen vertreten sind. Ausschlaggebend dafür war neben meiner Qualifikation auch meine Erfahrung in der Seelsorge, im Unterricht, etwa an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems, wo künftige Religionslehrer und Religionslehrerinnen ausgebildet werden, aber wohl auch meine Erfahrung mit der Jugend in der Diaspora.

G: Welche Vorstellungen bezüglich Aufbau einer orthodoxen Militärseelsorge gibt es bis jetzt?

V. Alexander: Was mich persönlich mit vielen orthodoxen Soldatinnen und Soldaten verbindet, ist der Migrationshintergrund. Obwohl in der Öffentlichkeit manchmal negativ beurteilt, kann das Zusammenleben verschieden geprägter Menschen ganz neue Chancen eröffnen. Mein erstes Ziel wird daher sein, orthodoxen Soldaten im Lebenskundlichen Unterricht (für Rekruten) bzw. bei der Kaderfortbildung (für Berufssoldaten) auf markante Punkte ihres Lebens in der orthodoxen Tradition hinzuweisen. Ihr Glauben soll auf ein solideres Fundament gestellt werden, um Entscheidungshilfe zu sein und Orientierung im Leben zu geben.

G: Das unterscheidet sich dann nicht von der katholischen oder evangelischen Militärseelsorge, die ähnlich arbeiten. Wird es auch orthodoxe Gottesdienste in den Kasernen geben?

V. Alexander: Die Unterrichtseinheiten werden mit einem Gebet begonnen werden. Die göttliche Liturgie oder das Stundengebet werden in den Kasernen deswegen nicht gefeiert, weil die Soldaten nicht aus ihren Kirchengemeinden herausgelöst werden sollen. An den militärischen Veranstaltungen wie Traditionstagen oder Angelobungen werde ich mich analog zu den anderen christlichen Militärseelsorgern selbstverständlich beteiligen.

G: In welchem Feld werden zentrale Inhalte des Unterrichts angesiedelt sein?

V. Alexander: Der gegenseitige Respekt und die Klärung der eigenen, orthodoxen Identität abseits von jeglichem Nationalismus wird mein Hauptanliegen sein. Man muss sich bewusst werden, dass die Soldaten Menschen in einer besonderen Verantwortungsposition sind. Gerade in den Extremsituationen eines militärischen Einsatzes ist es unerlässlich, die eigene Sittlichkeit zu bewahren. Der Glaube, aber etwa auch die positiv erfahrene Familientradition kann dabei eine wichtige Stütze sein, um nicht zu sagen, die „Motivation zum Guten“ geben. Mangelndes Selbstwertgefühl erzeugt Angst und birgt den Keim zur Radikalisierung und zur Abgrenzung…