Grußwort

kothgasser-gross

Mit Freude und Hoffnung darf ich die Nachfolge von Erzbischof Dr. Georg Eder als Nationalpräsident des Andreas-Petrus-Werkes antreten.

Erzbischof Georg hat den Auftrag des Werkes ernst genommen, und wo er konnte, hat er dementsprechende – auch mutige – Zeichen gesetzt. Zum einen bereiste er die Länder des Ostens, besuchte ihre Kirchen und Hirten, und gab Zeugnis unserer Sehnsucht nach Einheit. Zum anderen, gleichsam als Frucht dieser unser aller Sehnsucht, half er auch an Ort und Stelle, indem er, unter anderem, ein Stück des Ostens hierher brachte und die wunderschöne Salzburger St. Markus-Kirche in die Obhut der ukrainischen griech.-kath. Kirche gab und deren „Byzantinisierung” trotz nicht weniger Bedenken großzügig unterstützte. Ein solches Erbe kann man nur mit Freude antreten.

Ökumene besteht aus zwei Elementen: An erster Stelle steht die Selbsterkenntnis, womit gemeint ist, dass wir, bevor wir es wagen wollen, auf unsere getrennten Geschwister zuzugehen, das eigene Erbe mit all seinen positiven und manchmal auch negativen Aspekten kennen lernen müssen. Noch lange vor dem Zweiten Vatikanum ist die Catholica Unio diesen Weg gegangen und wandte sich den katholischen Ostkirchen zu. Die ostkirchliche Tradition ist katholisch, und als solche müssen wir sie sehen, erfahren und empfangen. Dies zu ermöglichen und Brückenbauer zwischen Okzident und Orient zu sein, ist Aufgabe der katholischen Ostkirchen, deren Unterstützung uns ein Anliegen sein muss.

Nun geht unser Blick auch weiter und wir wenden uns den getrennten Kirchen des Ostens zu. Kardinal Dr. Franz König war auf diesem Weg sicherlich ein Vorreiter und ist uns allen ein Beispiel. Immer, auch in einer Zeit, als es nicht populär war, war er um Ausgewogenheit bemüht und scheute weder den Konflikt noch die Notwendigkeit, manchmal auch den steinigen Weg zu gehen. In diesem Geist treten wir alle auch sein Erbe an und sollen selbst durch unser Tun und Handeln einerseits beispielgebend sein, andererseits als Wegbereitung einer zukünftigen Einheit das Wissen um die Ostkirchen, seien sie katholisch oder orthodox, an der Basis verbreiten und festigen.

Mit der EU-Osterweiterung rückt unsere Gesellschaft immer näher an jene Länder, in denen die Ostkirchen beheimatet sind. Im Geiste des Mitteleuropäischen Katholikentages müssen wir in unserer Tätigkeit bemüht sein, dass hier keine neuen Grenzen entstehen. Vielmehr soll aufgezeigt werden, dass das ostkirchliche kulturelle Erbe dieser Länder auch unser Erbe ist, welches nicht vernachlässigt werden darf, denn auf einer verbrannten Erde der Tradition kann keine neue geistige Saat gedeihen.

In diesem Sinne darf ich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Andreas-Petrus-Werkes ermuntern, ihre großartige Arbeit fortzusetzen, sei es durch Publikationen, konkrete Hilfsaktionen oder durch schlichtes Gebet. „Eines Rufenden Stimme: In der Wüste bahnt einen Weg für den Herrn, ebnet in der Steppe einen Pfad für unseren Gott!” (Jes 40,3).

Dr. Alois Kothgasser

Erzbischof