Starez Siluan vom Berg Athos

(aus: Rundbrief 2015/1)

Archimandrit Mag. Michael K. Proházka OPraem, Abt des Stiftes Geras und Referent des Andreas-Petrus-Werks für die Diözese St. Pölten, hat am 29. November 2014 zum Tag der Begegnung im Byzantinischen Gebetszentrum Salzburg einen Vortrag über den hl. Starez Siluan vom Berg Athos gehalten, den wir hier in gekürzter Form den Lesern und Leserinnen des Rundbriefs zugänglich machen.

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Einer der bedeutendsten geistlichen Begleiter, die die Ostkirche im 20. Jahrhundert hervorgebracht hat, war Starez Siluan, der im Kloster Panteleimonos auf dem Berg Athos lebte und dort im Jahr 1938 starb. Nicht ganz zu Unrecht wird er der „neue Palamas“ genannt wird. Sein Leben verlief nicht übermäßig spektakulär, erst nach seinem Tode sollte sein Schüler und Biograph Archimandrit Sofronij Sacharov die wahre Größe und Bedeutung dieses „Heiligen des Herzensgebetes“ enthüllen.

Simeon Ivanovič Antonov wurde im Jahre 1866 als Sohn eines Bauern in Šovskoe, Russland, geboren. Trotz einer freizügigen, von Vitalität strotzenden Jugend spürte er unter der einfühlsamen Begleitung seines Vaters immer wieder einen geistlichen Ruf in seinem Herzen. Nach Ableistung des Militärdienstes trat er im Jahre 1896 in das russische Kloster Panteleimonos am Berg Athos ein und erhielt den Klosternamen Siluan. Von seiner Mönchsweihe im Jahre 1911 an arbeitete er in der Klostermühle und als Ökonom in landwirtschaftlichen Einrichtungen des Klosters. Er verstarb am 24. September 1938 im Kloster Panteleimonos und wurde dort beerdigt. Im Jahre 1988 wurde er von der orthodoxen Kirche heiliggesprochen.

Schon als Novize wurde er mit dem Herzensgebet vertraut, in das er immer tiefer eindrang. Er wurde zum geistlichen Meister, der vielen Menschen den Weg wies. Zwei Worte des Heiligen des Herzensgebetes seien herausgegriffen, die auch unser Gebetsleben befruchten können:


In der Hölle ausharren!

Starez Siluan war schon 15 Jahre Mönch, als ihm in einem nächtlichen Ringen um das reine Gebet die Weisung zuteil wurde, bewusst in der „Hölle“, d.h. dem Ort der Anfechtung hier und jetzt, auszuharren. Es geht darum, nicht vor den Anfechtungen und Leidenschaften davonzulaufen, bei ihnen aber auch nicht stehen zu bleiben oder sich von ihnen überwältigen zu lassen. Wenn man dem „Feind ins Auge sieht“, statt vor ihm zu fliehen, ihm aber auch keine Möglichkeiten des Sieges bietet, hat man schon gewonnen! Gott macht es uns nicht immer leicht, aber an ihm zu verzweifeln, würde bedeuten, die Hoffnung auf die Gnade des Hl. Geistes aufzugeben. Damit hätte der geistliche Kampf, in den der Mönch tagtäglich hineingestellt ist, sein Ende gefunden und das Leben eines Mönches wäre dadurch sinnlos geworden.


Unter Tränen für die ganze Welt beten!

„Der Mönch betet unter Tränen für die ganze Welt“, sagt Starez Siluan. Es ist der Weg der Heiligen, auf dem der Geist Gottes die Mönche führt und sie zu Heiligen werden lässt. In den Heiligen lebt jene Gotteskraft, durch die die Welt erschaffen und erhalten wird. Darum hat das Gebet der Heiligen für ihn eine besondere Bedeutung und einen besonderen Wert. Die Heiligen sind das Salz der Erde, der Sinn der Welt, die Frucht, um derentwillen sie erhalten wird: „Wenn die Erde keine Heiligen mehr hervorbringt, dann wird ihr die Kraft, die sie vor dem Untergang bewahrt, genommen.“ Damit befindet sich Starez Siluan ganz in der Tradition eines großes Wortes eines anderen berühmten Starzen der Russischen Orthodoxen Kirche, nämlich des hl. Serafim von Sarov: „Wer Frieden erwirbt und in seinem Herzen bewahrt, um den herum werden Tausende Errettung finden und zum Heil gelangen.“


Abt Michael K. Proházka