St. Andrä am Zicksee, 10/11.11.2014: Ökumenische Klosterstiftung im Geist des hl. Martin

(aus: Rundbrief 2015/1)

Der hl. Martin, Diözesanpatron der Diözese Eisenstadt, hat bekanntlich als Soldat vom Pferd herab seinen Mantel geteilt, damit ein am Straßenrand kauernder Bettler eine Decke für die Nacht und einen Schutz gegen die Witterung hat. Auf diese berühmte Szene spielte Papst Franziskus in seiner persönlichen Grußbotschaft „an den verehrten Bruder Ägidius Zsifkovics“ an, die beim Martinsfest im Martinsdom von Eisenstadt vom Ökumene-Verantwortlichen des Vatikan, Kardinal Kurt Koch, verlesen wurde: Die Stiftung eines Grundstückes für das erste orthodoxe Kloster auf burgenländischem Boden in St. Andrä am Zicksee sei ein Akt „von ökumenischer Brüderlichkeit“. Besondere Grüße des Papstes galten dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., der in Begleitung von Metropolit Arsenios Kardamakis, Metropolit Athanasios von Chalkedon und Bischof Nikephoros von Amorion zu diesem besonderen Martinsfest ins Burgenland gekommen ist, um die Stiftungsurkunde aus der Hand von Bischof Ägidius entgegenzunehmen. Das ökumenische Anliegen der Stiftung ist im Schlusssatz des Dokuments festgehalten: „Möge auf diesem fruchtbaren Boden die christliche Einheit wachsen.“

Der Auftakt des historischen Besuches des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. im Burgenland erfolgte an jenem Ort, an dem das Kloster entstehen soll und an dem am?Vorabend zum Martinsfest erstmals orthodoxe Gesänge erklangen. Danach zogen die Ehrengäste in die Pfarrkirche St. Andrä ein und nahmen im Presbyterium unter der mächtigen Statue des hl. Apostels Andreas Platz, dem Patron der Pfarre und zugleich Patron der Stadt Konstantinopel, dem Amtssitz des Ökumenischen Patriarchen. Vielleicht hat der Gründerapostel des Zweiten Rom seinen Anteil daran, dass Metropolit Arsenios von Austria sich sicher war: „Hier ist der richtige Ort!“ Das „burgenländische Jahrbuch 2015“, das dem Besuch des Ökumenischen Patriarchen einen Bildbericht widmet, führt dazu aus: „Die Diözese hat mit dem Pfarrer vom St. Andrä am Zicksee Sebastian Augustinov und mit den Mitgliedern des Pfarrgemeinderates die Stiftungsidee eingehend erörtert. Pfarre und Pfarrgemeinderat sind von der Sinnhaftigkeit und von der starken ökumenischen Symbolkraft einer christlich-orthodoxen Klosterstiftung zutiefst überzeugt…“ (S. 30) Als Zeichen der Verbundenheit überreichten Pfarrangehörige in der Pfarrkirche eine Kopie der Andreas-Statue, in deren Sockel Erde vom gestifteten Grundstück eingefasst wurde, an Patriarch Bartholomaios. Metropolit Arsenios: „Das neue Kloster soll ein Ort des Gebetes sein, ein geistliches Ausstrahlungszentrum für alle orthodoxen Christen im pannonischen Raum und ein Haus gelebter Ökumene zwischen den Gläubigen unserer beiden Kirchen.“

Der Österreich-Besuch von Patriarch Bartholomaios hatte weitere Höhepunkte. Am 8. November war er gemeinsam mit Papstpatriarch Tawadros II. Ehrengast beim Festakt anlässlich 50 Jahre Pro Oriente in Wien, der – nach einem eindrucksvollen ökumenischen Morgengebet in der Schottenkirche – hohe Repräsentanten aus Kirche und Politik im Festsaal der Universität zusammenführte. Am 9. November wurde die Leobener Redemptoristenkirche St. Alfons in seiner Gegenwart an die griech.-orth. Kirche übergeben.