Spenden für die Wiedergeburt eines russischen Pfarrdorfes

(aus: Rundbrief 2011/1)

„Wenn du diese altehrwürdigen Kirchen in diesem so schönen russischen Land, in dieser wundervollen nördlichen Landschaft siehst, begreifst du, dass nur Menschen, die die Schönheit in ihrem Herzen pflegen, im Stande sind, solche äußere Schönheit zu schaffen.“ (Aus einer Rede des Patriarchen Kirill anlässlich seines Besuches in Jaroslavl im Jahre 2010)

Kann ein Oberhirte seinen Gläubigen ein schöneres Kompliment machen? Auch ich fuhr vergangenen Oktober mit 20.000 Euro an Spendengeldern ins Dörfchen Davydovo in der Eparchie Jaroslavl, das mit dem Zug in etwa fünf Stunden von Moskau zu erreichen ist. Ich wollte mich selbst davon überzeugen, wie das Pfarrdorf durch das großartige Wirken des orthodoxen Pfarrers Vladimir Klimzo aus den Ruinen wieder aufersteht und wie es seinen Waisenkindern geht.

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Davydovo liegt zwischen den aus der russischen Geschichte bekannten Städtchen Ugli an der Wolga sowie Rostov Velikij, das den Besucher durch seinen Kreml, ein architektonisches Wunderwerk, gefangen nimmt. Ganz zu schweigen von den vielen restaurierten Gotteshäusern mit den wunderschönen Ikonenwänden und Wandmalereien. Es ist beeindruckend, was die Bevölkerung leistet, um die Schäden an den Kirchen, die in der Sowjetzeit dem Verfall preisgegeben waren, zu beseitigen.

Auch Väterchen Vladimirs Pfarrkirche war bei seiner Ankunft vor 16 Jahren nur mehr ein Trümmerhaufen. Durch seinen Einsatz und den Enthusiasmus der Dorfbevölkerung sowie vieler Freunde aus Moskau ist sie, die der Gottesmutter von Kazan geweiht ist, wieder mit Leben erfüllt worden. Und das konnte ich während meines einwöchigen Aufenthaltes spüren, denn am 14. Oktober wurde „Pokrov“ (Mariä Schutz, orthodoxer Feiertag zum Gedächtnis an die Erscheinung der Muttergottes im 10. Jahrhundert in der Blachernenkirche zu Konstantinopel) gefeiert, eines der traditionsreichsten Feste der russischen Kirche. Im Dorf war Kirtagsstimmung und viele Bekannte aus Moskau nahmen die lange Fahrt auf sich, um fernab der oft zu lauten Weltmetropole zu sich zu finden. Am besten kann man die Seele eines Volkes kennenlernen, wenn man mit ihm an seinen Festtagen beten, singen und tanzen darf. Die Freude an der dörflichen Geborgenheit war deutlich spürbar. Alle helfen zusammen.

Ich war im Pfarrhaus einquartiert. Das Leben der großen Familie – bestehend aus dem Pfarrer, seiner Gattin, seinen beiden Töchtern, den Schwiegersöhnen und acht Enkeln – spielte sich in der Küche und im Wohnzimmer ab. Dann war da noch das Kommen und Gehen der Besucher. So hatte ich die Möglichkeit, die Aktivitäten der Pfarre aber auch die Nöte ihrer Bewohner kennen zu lernen.
In den folgenden Tagen besuchte ich zuerst die Unterkünfte für die Sozialwaisen. Sie wohnen in einem ehemaligen Bauernhaus, das sehr reparaturbedürftig ist, und zwar zusammen mit einem Erzieher, der um Kost und Logis für die Pfarre arbeitet. Aus diesem Grunde gab ich Väterchen den überwiegenden Teil der Spenden zum Umbau des Waisenhauses. Dann wurde ich in den Pfarrkindergarten eingeladen, wo mir die Kinder, darunter auch Waisen, ihre Lieder vorsangen. Auch hier arbeiten die Kindergärtnerinnen ohne Lohn. Die Pfarre muss für die Wohnung und den täglichen Bedarf sorgen. Darüber hinaus gibt es eine Pfarrschule, eine Schreinerei, eine Schlosserei usw. Am meisten beeindruckte mich die Landwirtschaft mit der Käserei. Sie trägt zusammen mit den Werkstätten wesentlich zur finanziellen Basis der pfarrlichen Aktivitäten bei. Als ich in den Kuhstall kam, gaben die Melkerin und ihr achtjähriger Sohn den Kühen gerade das Heu und es duftete so herrlich nach Heublumen.

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Im Namen von Pfarrer Vladimir, seiner Familie und seiner Pfarrfamilie möchte ich allen Wohltätern danken, dass sie mit ihren Spenden in christlicher Nächstenliebe beim Wiedererstehen dieser russisch-orthodoxen Pfarre und seiner sozialen Einrichtungen mitgeholfen haben. Im Besonderen möchte ich einer großherzigen Spenderin gedenken, die wir am 8.1.2011 in Salzburg-Liefering zu Grabe getragen haben: Frau Maria Westwalewicz. R.I.P.

Ihr Mag. Josef Huber-Germanstatt

Weitere Fotos aus der Pfarre Davydovo finden Sie unter der Internet-Adresse www.davydovo-hram.ru