Rumänischer Patriarch in Österreich

Seine Heiligkeit Daniel (Ciobotea), Patriarch der rumänisch-orthodoxen Kirche, besuchte Österreich (12.-16.6.2009)

(aus: Rundbrief 2009/2)

Anlass des Besuchs war die Weihe der beiden neuen rum.-
orth. Gotteshäuser in Salzburg und Wien. Dass nach Patriarch Justinian (1968) und Patriarch Teoctist (1987) wieder ein rum.-orth. Patriarch nach Österreich kam, hatte nicht nur pastorale Bedeutung für die Gläubigen seiner Kirche, sondern war zugleich ein einzigartiges ökumenisches Ereignis.

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Die Fülle von Begegnungen in Salzburg (Festakademie am 12.6., Einweihung der rumänischen Holzkirche am 13.6.), in Wien (Einweihung der Andreaskirche in Simmering am 14.6., offizielle Termine u.a. im Wiener Rathaus, in der Hofburg und Festakt im Prunksaal der Nationalbibliothek am 15.6., Besuch im Stephansdom am 16.6. – das Foto oben zeigt den Patriarchen im Gebet vor der Ikone Mária Pócs – und im Stift Heiligenkreuz (14.6.) kann hier auch nicht annähernd gewürdigt werden. Hervorgehoben seien die kostbaren Ikonen-Geschenke, mit denen der Patriarch seine Wertschätzung zum Ausdruck brachte: Für Erzabt Edmund Wagenhofer, der den Grund für die Salzburger Kirche zur Verfügung stellte (hl. Cyrill und Method, hl. Benedikt – Bilder unten) und für Kardinal Christoph Schönborn (Mosaikikone des hl. Apostels Andreas – Bild ganz unten). Patriarch Daniel ist einer der bedeutendsten orthodoxen Theologen der Gegenwart und seit langem mit Kardinal Schönborn in Freundschaft verbunden.

Patriarch Daniel

Patriarch Daniel

Es sind die vielen kleinen Gesten und Aufmerksamkeiten, die diesen Besuch zu einem Fest der Begegnung zwischen Ost und West werden ließen. Nur ein Beispiel von vielen: Erzabt Bruno von St. Peter überreichte beim Festessen dem hohen Gast das 37 mal 31 mm große Faksimile eines kostbaren Buchwinzlings im Besitz der Erzabtei, des „Psalterium Sancti Ruperti” aus dem späten 9. Jahrhundert. Das Auspacken des Geschenks gestaltete sich zu einem spannenden, von allgemeiner Heiterkeit begleiteten Abenteuer. Wie immer bei freundschaftlichen Begegnungen verging die Zeit viel zu schnell. Die Organisatoren mahnten zum Aufbruch. Nun war aber noch nicht der krönende Abschluss der Menüfolge serviert. Calin Stanc, der aus Rumänien stammende Angestellte des Peterskellers, bot alle Überredungskunst auf, um Patriarch Daniel davon zu überzeugen, dass sein Pastoralbesuch in Salzburg nur eine halbe Sache bliebe, würde er abreisen, ohne von den Salzburger Nockerln gekostet zu haben – mit Erfolg! Die Abreise nach Wien wurde verschoben.

Gottfried Glaßner OSB