Matrona, die hochverehrte selige Stariza Moskaus

(aus: Rundbrief 2011/1)

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„Die von Gott in Weisheit unterwiesene selige Stariza Matrona, die Blüte der Erde von Tula und der ruhmreiche Schmuck der Stadt Moskau, preisen wir Gläubigen heute. Sie, die das Licht des Tages nicht kannte, wurde vom Licht Christi erleuchtet und an der Gabe der Hellsichtigkeit und der Heilung reich gemacht. Heimatlos und Wanderer auf der Erde, steht sie nun in dem Himmlischen Prachtsaal vor dem Throne Gottes und bittet für unsere Seelen.“ (Tropar zur seligen Matrona von Moskau)

Seit ungefähr zehn Jahren ist in orthodoxen, aber auch früher der Kirche sehr fernstehenden Kreisen immer öfter der Name der seligen Matrona von Moskau zu hören. Bei einem Besuch im Pokrov-Kloster (Schutzmantelkloster), das erst 1994 der Russischen Orthodoxen Kirche als Ruine übergeben und neu erbaut wurde, kann man Zeuge dieser innigen Verehrung werden. Bis zu vier Stunden stellen sich hunderte Menschen an, Männer und Frauen, sehr viele Jugendliche, Mütter mit kleinen Kindern, und alle mit Blumen. Diese Menschenscharen teilen sich in zwei Ströme: die einen zur Ikone im Freien, die anderen in die Kirche zu den Reliquien. Es gibt keine Unruhe, keine Drängelei, es herrscht eine ungewöhnliche Ruhe im hektischen Moskau.

Matrona wurde 1998 vom Danilov Friedhof in das Kloster umgebettet, 1999 zur örtlichen Verehrung vorgestellt und 2004 seliggesprochen. Knapp 60 Jahre nach ihrem Tod am 2.5.1952 hat sich so erfüllt, was sie selbst vorausgesehen hat: „… nach vielen Jahren werden die Leute von mir erfahren und werden in Scharen um Hilfe für ihren Kummer kommen, mit der Bitte um Fürbitte bei Gott dem Herrn für sie – und ich werde allen helfen und auf alle hören.“

Matrona Dmitrievna Nikonova wurde 1881 in einer armen Familie des Dorfes Sebino-Epifanskaja bei Tula als viertes Kind von Dmitrij und Natalija geboren. Die Mutter wollte das Kind in das Waisenhaus des Fürsten Golizyn im Nachbardorf Bualki geben, als sie durch einen Traum ihre Absicht änderte. Matrona hatte bei ihrer Geburt keine Augäpfel. Sie ertrug mit Demut ihr Gebrechen und das Unverständnis der anderen Kinder. Gern besuchte sie mit den Eltern die Gottesdienste. Schon in ihrer Kindheit besaß sie die Gabe des unaufhörlichen Gebetes, die Gabe der geistlichen Unterscheidung, der Hellsichtigkeit und der Heilung. Mit 17 Jahren wurde sie gelähmt und konnte nie wieder gehen. Sie verbrachte die restlichen 54 Jahre ihres Lebens mit verschränkten Beinen, auf einem Bett sitzend, immer umgeben von Ikonen (Foto). Sie beklagte sich nie über ihre Behinderung, sondern erkannte diese als Wille Gottes.

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1925 zog Matrona nach Moskau. Es folgte ein Leben in der Illegalität bei Verwandten, Bekannten, in Hütten, Wohnungen, Kellern. Während viele ihrer Helferinnen und Nächsten verhaftet, ins Gefängnis geworfen oder verbannt wurden, wurde Matrona nie verhaftet. Sie wechselte ihre Aufenthaltsorte plötzlich am Vorabend vor dem Auftauchen der Miliz. Einmal kam ein Milizionär zu Matrona, um sie zu verhaften. Sie schickte ihn nach Hause, um ein Unglück zu verhindern. Zu Hause traf er seine Frau an, die sich gerade mit dem Petroliumkocher angezündet hatte. Er konnte sie gerade noch in das Spital bringen. Einen weiteren Befehl auszuführen, war er nicht mehr bereit.
Sie tröstete, beruhigte die Kranken, bezeichnete sie mit dem Kreuzzeichen, scherzte gelegentlich, konnte strenge Ermahnungen geben. Sie predigte und belehrte nicht, sondern gab konkrete Ratschläge, wie man an eine Situation herangehen könnte. Viele ihrer Unterweisungen findet man ähnlich bei Serafim von Sarov und anderen Vätern.

Ohne jegliche Schulbildung und schwer körperlich behindert hat sie in einer gottlosen Zeit, in der zahllose Christen für den Glauben ihr Leben hingeben mussten, das Flämmchen des Glaubens weitergegeben.

P. Bonifaz Tittel OSB