„Lasst uns ein Mosaik machen!”

Mosaikkunst im St. Elisabethkloster in Minsk, Weißrussland

(aus: Rundbrief 2015/1)

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Im August 2014 blickte das St. Elisabethkloster in Minsk auf 15 Jahre seines Bestehens zurück. Über die Sozialeinrichtungen für Waisenkinder, Jugendliche mit Behinderung und Alkoholkranke, die in dieser kurzen Zeit geschaffen wurden, kann man nur staunen. Mehrfach berichteten wir bereits im Rundbrief darüber und dank Ihrer Spenden, liebe Leserinnen und Leser, konnten wir den Ausbau der Sozialeinrichtungen mit namhaften Beträgen unterstützen. Diesmal sei ein kleiner Einblick in eine gleichermaßen erstaunliche Facette der Strahlkraft dieses Klosters gegeben: In seine Werkstätten, genauerhin in die Werkstatt für Mosaikkunst, über die Dmitrij Kuntsevič, der Gründer dieser Werkstatt, in einem in deutscher Übersetzung auf der Homepage des Klosters vorliegenden Interview berichtet:

„Alles begann mit dem Bau der Kirche der Gottesmutter-Ikone Deržavnaja. V. Andrej Lemešonok, der geistliche Vater des Klosters, gab mit den Worten ‚Lasst uns versuchen, ein Mosaik zu machen‘ den Segen zur Ausstattung der Kirche in byzantinischem Stil und damit auch zur Einrichtung einer Mosaik-Werkstatt. Mit einigen Komilitonen, die ich beim Studium für monumentale und dekorative Kunst an der belorussischen Akademie für Kunst kennengelernt habe, machte ich mich an die Arbeit.

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Trotz der Grundkenntnisse, die wir von der Akademie mitbrachten, war die Mosaikkunst für uns absolutes Neuland. Wir fuhren nach St. Petersburg und Moskau, ließen uns von Meistern der Mosaikkunst beraten und setzten uns mit der Welt der Ikonenmalerei und den Gesetzmäßigkeiten der kirchlichen Kunst auseinander, die uns an der Akademie nicht vermittelt wurden, deren Kenntnis aber für die innere künstlerische Gestaltung der Mosaike unabdingbare Voraussetzung ist. Schließlich geht es hier um Verkündigung der frohen Botschaft. Künstlerische Experimente und Schwärmerei sind fehl am Platz. Wir fragten, suchten, benutzten alte Quellen – Bücher, Fotos. Das war in den Jahren 2001–2003. Ausgestattet mit Stapeln von Fotos und Unterlagen, u.a. auch von Mosaiken aus Serbien und Griechenland, kehrten wir nach Minsk zurück.

Bei der Mosaikkunst kommt es zunächst auf die Auswahl der Steine an. Sie werden in quadrat- und würfelförmige Stücke gespalten. Oft improvisieren wir, wobei wir verschiedene schöne Gläser und schwarze sowie weiße Meeres- und Flusskieselsteine, Natursteine, Stücke von Marmor, Granit, Dolomit, Halbedelsteine und Backsteine verwenden. Entscheidend ist die farbliche Feinabstimmung und Größenvariation der Steinchen bis hin zur Gestaltung der Fugen. Dies alles wirkt sich auf den Gesamteindruck des Mosaikbildes aus, das Bestandteil der Architektur ist und daher gut in den Sakralraum passen muss. Um ein optimales Ergebnis zu erzielen, sind umfangreiche Vorarbeiten nötig: Vorzeichnungen, Computer-gestützte Projektionen, die Zusammensetzung des Mosaikbilds auf provisorischer Unterlage und schließlich die Übertragung auf eine permanente Grundlage aus Klebstoff oder Mörtel.

Unsere Arbeit erfordert höchste Konzentration, denn wir machen etwas Gottesgefälliges, etwas, was unsere Kräfte übersteigt. Nicht darauf kommt es an, was wir wollen und zustande bringen, sondern was GOTT durch unser Bemühen um SEIN Werk zustande bringt.“

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