Kardinal Josyf Slipyj (1892–1984), Oberhaupt der UGKK und Zeuge ihres Leidensweges im Untergrund

(aus: Rundbrief 2014/1)

slipyj

Unter der unüberschaubar großen Zahl der Bekenner und Märtyrer, die die UGKK im 20. Jahrhundert hervorgebracht hat, ragt Josyf Slipyj als unbeugsamer Glaubenszeuge heraus. Nur sechs Monate, nachdem er die Nachfolge von Metropolit Andrey Sheptyts­kyj als Oberhaupt der UGKK angetreten hatte, am 11.4.1945 wurde er verhaftet und verbrachte (mit kurzer Unterbrechung) 18 Jahre in den Gefängnissen und Arbeitslagern des Gulag. Seine abenteuerliche Fahrt in die Freiheit hat auf dem Hintergrund des Kalten Krieges Weltgeschichte geschrieben: Ein Offizier holte den von Papst Pius XII. 1949 in pectore zum Kardinal ernannten Erzbischof am 27.1.1963 im Lager westlich der mittleren Wolga ab und brachte ihn nach Moskau ins Hotel, wo er die Ankunft der Abgesandten aus dem Vatikan (Msgr. Jan Willebrands und Erzpriester Vitaliy Borovoj) abwarten sollte, denn „der Papst wolle ihn sehen“. Am 4.2. trat er die lange Bahnfahrt über Wien (zwei Tage Aufenthalt) nach Rom an. Um jedes Aufsehen zu vermeiden, wurde er vom Privatsekretär des Papstes Msgr. Loris Capovilla in Orte abgeholt und in die Abtei Grottaferrata begleitet. Am 10.2. kam es zur ersten denkwürdigen Begegnung mit Papst Johannes XXIII. – Die Novelle „Die Schuhe des Fischers“ von Morris West (1963) wie auch der darauf basierende Film (1968) beziehen sich auf dieses Ereignis und nehmen die 15 Jahre danach erfolgte Wahl Karol Wojtiłas zum Papst vorweg.

Bleibt noch zu erwähnen, dass Kardinal Josyf Slipyj neben den vier Neumärtyrern der der UGKK der prominenteste ukrainische Student im Innsbrucker Canisianum war.