Ikone des seligen Franz Jägerstätter

Eine von P. William McNichols SJ gemalte Ikone des seligen Franz Jägerstätter als Anstoß zum Nachdenken – über die Ereignisse im März 1938 und ihre Folgen

(aus: Rundbrief 2008/1)

Jägerstätter-Ikone

Franz Jägerstätter, der am 20. Mai 1907 in St. Radegund (OÖ) geboren wurde, ist am 26. Oktober 2007 im Linzer Mariendom selig gesprochen worden. Der Vater von vier Kindern (eine uneheliche Tochter, drei Kinder mit seiner Frau Franziska) lehnte kompromisslos jede Form des Kriegsdienstes für den Nationalsozialismus ab, wie er während seiner militärischen Ausbildung in Enns deutlich machte. Unterstützt von seiner Familie und seiner Dorfgemeinschaft konnte er zweimal als „unabkömmlich” auf seinen Bauernhof zurückkehren. Bei der dritten Einberufung im März 1943 verweigerte er aus Gewissensgründen den Dienst an der Waffe und erklärte, er könne in der Wehrmacht nur als Sanitäter dienen. Nach einem Kriegsgerichtsprozess wurde er wegen „Wehrkraftzersetzung” am 9. August 1943 in Berlin enthauptet.

Die Bedeutung Jägerstätters liegt darin, dass er erkannt hat, dass man „nicht zugleich Katholik und Nationalsozialist” sein kann. Der Briefwechsel mit seiner Frau zeugt von der religiösen Motivation seiner Weigerung. Schon früh hatte er den gott- und menschenverachtenden Charakter des Nationalsozialismus durchschaut und aus einer tiefen, in der Fam ilie gewachsenen und in der Pfarre gelebten Glaubensüberzeugung abgelehnt. Der Ikonenmaler hat diese Abkehr von der gottlosen Ideologie auf einprägsame Weise ins Bild gesetzt: Jägerstätter hält die Bibel, in der er oft gelesen und aus der er oft in seinen Briefen zitiert hat, mit beiden Händen fest umklammert; der von einem geflügelten Teufelchen gehaltenen Hakenkreuzfahne zeigt er die kalte Schulter

Als Patron kann er nicht nur für Soldaten, die in jedem Einsatz an die Einhaltung der Menschenrechte gebunden sind, gelten, sondern auch für alle, die sich mit den politischen Konsequenzen eines Lebens aus dem Glauben auseinandersetzen.

Stefan Gugerel

„Franz Jägerstätter war ein ‚wacher‘ und wachsamer Mensch. Er war ein Prophet mit einem Weitblick und einem Durchblick, wie ihn damals die wenigsten seiner Zeitgenossen hatten. Für uns kann er Vorbild in der Treue zum Gewissensanspruch, Anwalt der Gewaltlosigkeit und des Friedens, Warner vor Ideologien, ein gläubiger Mensch sein, dem Gott wirklich Mitte und Zentrum des Lebens war. Sein prophetisches Zeugnis für die christliche Wahrheit beruht auf einer klaren, radikalen und weitsichtigen Analyse der Barbarei des menschen- und gottverachtenden Systems des Nationalsozialismus, dessen Rassenwahns, dessen Ideologie des Krieges und der Staatsvergottung wie dessen erklärten Vernichtungswillens gegenüber Christentum und Kirche. Als Zeuge des Glaubens und der Gerechtigkeit ist Jägerstätter ein Geschenk für das österreichische Volk, aber auch ein Geschenk für die ganze Kirche.”

Bischof Manfred Scheuer (Innsbruck), Dezember 2007