Buchbesprechung: „Die Ostkirchen in Wien”

ostkirchen

Franz Gschwandtner / Christian Gastgeber: Die Ostkirchen in Wien.
Ein Führer durch die orthodoxen und orientalischen Gemeinden.
Unter Mitarbeit von Rudolf Prokschi, Wolfgang-Nikolaus Rappert und Mihailo Popovic.
Mit Fotos von Christian Gastgeber und Miodrag Mecanovic.
Graz: Verlag Styria 2004.
194 Seiten, zahlreiche Abb. – € 14,90.
ISBN 3-222-13145-7

Gleichsam als Jubiläumsgabe zur Gründung der Wiener Stiftung Pro Oriente durch Kardinal Franz König wurde dieser Wien-Führer der besonderen Art der Öffentlichkeit vorgestellt. Anders als ihre sonstigen zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen, die für das theologisch geschulte Publikum gedacht sind, richtet sich dieses Buch an alle Wiener und Wien-Besucher, die Wien einmal von einer anderen. eher unbekannten Seite, nämlich als Tor zur Vielfalt der östlichen Kirchen, näher kennen lernen möchten.

Vom 17. Jh. an bis heute ist Wien zu einem Zentrum östlicher Kirchen in Europa gewachsen. Waren es damals Kaufleute, Reisende oder Angehörige des diplomatischen Dienstes, die aus Griechenland, dem Orient oder dem Balkan in die Hauptstadt der Habsburgermonarchie kamen, ist im 20 Jh. durch Migranten und Gastarbeiter die Zahl der östlichen Christengemeinden nochmals stark angestiegen. Wien bietet daher wie keine andere Stadt Europas die Möglichkeit, der Vielfalt der orthodoxen (Griechen, Russen, Serben, Rumänen, Bulgaren), der orientalisch-orthodoxen (Kopten, Syrer, Armenier, Äthiopier, Syro-Inder) und der katholischen Ostkirchen (Ukrainer, Armenier, Rumänen, Melkiten, Maroniten, Chaldäer, Malankaren und Malabaren) mit ihren je spezifischen Traditionen, ihren Gottesdiensträumen und kirchlichen Einrichtungen zu begegnen. Kurze Einleitungskapitel geben einen Überblick über den unterschiedlichen Weg der Ost- und der Westkirche, beschäftigen sich mit den Gründen der Kirchentrennung und bieten eine allgemeine Schilderung der Geschichte der Ostkirchen in Wien.

Das Buch eignet sich bestens als Handbuch für Kunstinteressierte (mit konkreten Vorschlägen für ostkirchliche „Spaziergänge” und „Spazierfahrten”), gibt darüber hinaus aber auch wertvolle Einblicke in die Eigenart und das Leben der Gemeinden und macht so Lust darauf, mitzufeiern und Kontakte mit den Gläubigen und ihren Seelsorgern zu knüpfen. (Hanns Sauter / Gottfried Glaßner)