Glaßner: Brückenbauer zu den Ostkirchen

In: „Der Christliche Osten” 68 (2013) Nr. 1

Wir danken dem Leiter des Archivs der Erzdiözese Salzburg Dr. Thomas Mitterecker für die Erlaubnis zum Abdruck des folgenden Beitrags aus der zum Rupertusfest am 24.9.2012 an Erzbischof Dr. Alois Kothgasser SDB überreichten Festschrift „Für Gott und die Menschen“ (Schriftenreihe des Archivs der Erzdiözese Salzburg Bd. 11), dort S. 235-246.


Die im Orignal bzw. in anderer Auswahl im Wiederabdruck enthaltenen Fotos bleiben in dieser Leseprobe aus der Zeitschrift „Der Christliche Osten“ Nr. 1/2013 ausgespart. Zusätzlich zur Print-Ausgabe werden Sie über einzelne Links in den Fußnoten direkt zu den Beiträgen geleitet, die Sie auf unserer Homepage nachlesen können.

Gottfried Glaßner

Alois Kothgasser SDB

Was die Ökumene mit den Kirchen des Ostens und des Orients anbelangt, hat Erzbischof Dr. Alois Kothgasser SDB von seinen Vorgängern ein wohlbestelltes Haus übernommen. Mit der Wiederbegründung der Catholica Unio durch Erzbischof DDDr. Andreas Rohracher im Jahr 1951, mit der Einrichtung eines „Ostinstituts“ im Internationalen Forschungszentrum für Grundfragen der Wissenschaften in der Edmundsburg im Jahr 1961 (ab 1969 fortgeführt in der Abteilung für den Christlichen Osten des Instituts für Religionswissenschat und Theologie, ab 2001 als Institut für den Christlichen Osten) und mit Gründung einer Salzburger Sektion der Stiftung Pro Oriente im Jahr 1985 durch Erzbischof DDr. Karl Berg hat sich Salzburg als Zentrum der Ostkirchenarbeit und der Begegnung mit den Ostkirchen etabliert. (1) Unter Erzbischof Dr. Georg Eder konnten die Beziehungen zum ostkirchlichen Christentum in vielfacher Hinsicht intensiviert werden, vor allem durch die ökumenischen Besuchsreisen nach Bulgarien (1995), Russland (1997), Ägypten (1999) und im Mai 2003 durch die Reise nach Rumänien, durch die Unterstützung von Stipendiaten, durch engagierte Förderung der Tätigkeit ostkirchlicher Einrichtungen und Initiativen wie der Catholica Unio (1999 unbenannt in „Andreas-Petrus-Werk“), der Pro-Oriente-Sektion Salzburg, der seit 1998 mit ihren Jahrestagungen in Salzburg beheimateten Initiative Christlicher Orient und durch das im Jahr 2001 im Internationalen Forschungszentrum unter der Leitung von Univ.-Prof. DDr. Peter L. Hofrichter neu begründete Institut für den Christlichen Osten. (2) Rasch machte sich Erzbischof Kothgasser mit dem breit gefächerten Aufgabenfeld vertraut, das ihn diesbezüglich in Salzburg erwartete, und alsbald setzte er eigene Akzente. In der Art und Weise, wie er die ihm als Erzbischof von Salzburg zufallenden Aufgaben an sich herankommen ließ und zugleich auf sie zuging, zeigt sich eine besondere Gabe hinzuhören, die guten Ansätze zu entdecken und zu fördern.

So unternahm er wie sein Vorgänger Erzbischof Eder jeweils mit einer Delegation von Pro Oriente Salzburg im Zwei-Jahres-Rhythmus eine ökumenische Pilgerfahrt in den Osten: 2006 zum Amtssitz des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. in Istanbul, zum Osterfest 2008 auf Einladung des russ.-orth. Patriarchen Aleksij II. nach Moskau und im September 2010 nach Armenien. Er knüpfte zunächst ganz selbstverständlich an bestehende Vorgaben und Einrichtungen an, aber er legte von Anfang an großen Wert auf eine gründliche Vorbereitung und wusste in den Begegnungen und Gesprächen geschickt die sich bietenden Chancen zur Vertiefung der Beziehungen zwischen den Schwesterkirchen in Ost und West zu nützen.

Bartholomaios I., Ökumenischer Patriarch und Primus inter Pares der Orthodoxen Kirchen

Im Juni 2004 kam der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. anlässlich der Feiern zum 200-Jahr-Jubiläum der griechischen Schule und der orthodoxen Georgskirche in der Griechengasse in Wien nach Österreich. (3) Unter der Regie des rührigen griech.-orth. Metropoliten Michael (Staikos) gestaltete sich dieser erste Österreich-Aufenthalt eines Ökumenischen Patriarchen zu einem einwöchigen Staatsbesuch mit zahlreichen offiziellen Terminen und Begegnungen auf höchster politischer und kirchlicher Ebene, und dies nicht nur in Wien, sondern auch in den Bundesländern (Stift Heiligenkreuz, Graz, Innsbruck und Salzburg). Der Aufenthalt in Salzburg, wo Patriarch Bartholomaios am 21. Juni 2004 von Innsbruck kommend eintraf, war als ein von Staatsempfängen frei gehaltener Ausklang des Besuchsprogramms konzipiert. Die Tatsache, dass Salzburg dem Patriarchen von früheren Ferienaufenthalten auf Einladung der Familie Pappas wohl vertraut war, und die Gastfreundschaft, die er in der Erzabtei St. Peter erfuhr (den Auftakt bildete eine in Gegenwart von Erzbischof Kothgasser und Erzbischof Eder gemeinsam mit den Mönchen von St. Peter gefeierte Vesper), hinterließen beim hohen Gast einen nachhaltigen Eindruck.

Dass er es sich nicht nehmen ließ, spätabends noch einen ausgedehnten Spaziergang durch die Salzburger Altstadt zu unternehmen, macht deutlich, dass er diesen Aufenthalt in Salzburg am Schluss eines auch bezüglich seiner politischen Intention (Stärkung der Position der christlichen Minderheiten in der Türkei) durchaus erfolgreichen Besuchs und unmittelbar vor der Weiterreise zum römischen Patroziniumsfest der Apostelfürsten Petrus und Paulus in Rom sichtlich genoss.

Man darf davon ausgehen, dass es nicht nur für Reg.Rat Alja Payer (4), der langjährigen engen Mitarbeiterin der Catholica Unio und Autorin zahlreicher Beiträge über bedeutende Persönlichkeiten des Christlichen Ostens, eine außerordentliche Ehre und Freude war, ihr Buch über den Ökumenischen Patriarchen Athenagoras I. (5) und die Sammlung von Aufsätzen über byzantinische Kaiserinnen (6) beim Festakt am 22. Juni im Erzbischöflichen Palais an Patriarch Bartholomaios zu überreichen, sondern auch von Patriarch Bartholomaios aufmerksam registriert wurde, zumal Erzbischof Kothgasser darauf hinweisen konnte, dass er Patriarch Athenagoras I. gegen Ende seiner Studienjahre in Rom persönlich begegnet war.

Das nächste Zusammentreffen erfolgte im Phanar, dem Amtssitz des Ökumenischen Patriarchen in Istanbul. Kurz nach der viel beachteten Reise Papst Benedikts XVI. zum Andreasfest 2006 in die Türkei wurden Erzbischof Kothgasser und Bischof Manfred Scheuer mit einer 21-köpfigen Delegation aus Salzburg und Innsbruck am 10. Dezember 2006 mit großer Herzlichkeit von Patriarch Bartholomaios empfangen. (7)

Die Gäste aus Österreich waren am nächsten Tag zu der unter Assistenz des Patriarchen gefeierten sonntäglichen Liturgie und einem anschließenden Mittagessen in einem Restaurant am Bosporus geladen. Der Besuch umfasste nicht nur die obligaten Grußadressen, sondern man verbrachte unvergessliche gemeinsame Stunden in angeregten privaten Gesprächen und allenthalben war zu spüren, dass der eine Woche zuvor abgeschlossenen Besuch Papst Benedikts XVI. in der Türkei ein positives Echo gefunden hatte. Patriarch Bartholomaios bezeichnete ihn als „Segenszeichen Gottes“ für den ökumenischen Dialog, für das interreligiöse Gespräch, für das Verhältnis der Türkei zu Europa und für den Weltfrieden. (8) Als Ausdruck seiner besonderen Wertschätzung erhielt Erzbischof Kothgasser eine kostbare Ikone der hl. Apostelbrüder Andreas und Petrus zum Geschenk, Äbtissin M. Perpetua eine Ikone der „Schmerzensreichen Mutter“.

Die Worte, mit denen Patriarch Bartholomaios sich unter die Gratulanten zum 70. Geburtstag des Salzburger Erzbischofs einreihte, zeugen von brüderlicher Verbundenheit und Freundschaft: „Sie, auch der Bischof von Innsbruck und alle Ihre Begleiter haben Sie Uns durch Ihren Gegenbesuch gezeigt, dass wir doch gemeinsam auf dem Weg des Herrn sind, bis wir, so schnell wie möglich, die volle kirchliche und sakramentale Koinonia erleben dürfen.“ (9) Das Geleitwort in der Festschrift für Erzbischof Kothgasser ist am 27. März 2007 datiert. Kurz zuvor am 13. März war der Patriarch ein weiteres Mal nach Wien gekommen, um den Kardinal-König-Preis in Empfang zu nehmen. Am folgenden Tag fand in Mariazell ein Treffen mit der Äbtekonferenz der Österreichischen Benediktinerkongregation statt.

Nach dem Tod von Metropolit Michael (Staikos) am 18. Oktober 2011 stand bereits Anfang November sein Nachfolger fest. Dass die Wahl so rasch erfolgte und auf Dr. Arsenios (Kardamakis), den Generalvikar der griech.-orth. Diözesen von Frankreich, fiel, darf als weitere Frucht eines guten ökumenischen Klimas in Österreich gewertet werden. Erzbischof Kothgasser, der als Vertreter der österreichischen Bischöfe gemeinsam mit Diakon Albert Hötzer zur Bischofsweihe nach Istanbul reiste, hat dieses gute Klima, besonders was die Beziehungen zum Ökumenischen Patriarchat betrifft, entscheidend mitgeprägt.

Wie sehr sich Patriarch Bartholomaios über das Wiedersehen freute, zeigte sich darin, dass er am Vorabend des Andreasfestes nach der Vesper den Salzburger Erzbischof auf dem Weg zum Audienzsaal, wo eine Delegation des Ökumenischen Rates der Kirchen wartete, kurzerhand zu einem 20-minütigen Vier-Augen-Gespräch in sein Arbeitszimmer entführte. (10)

Orthodoxes Osterfest 2008 in Moskau

Hilarion (Alfeev), der im Mai 2003 zum russ.-orth. Bischof von Wien und Österreich und Administrator von Budapest und Ungarn ernannt worden war, stattete noch im Dezember desselben Jahres Salzburg seinen Antrittsbesuch ab. Der Einladung zum Besuch der russ.-orth. Gemeinde in Wien kam Erzbischof Kothgasser in Begleitung von Univ.-Prof. DDr. Peter Hofrichter am 7. Jänner 2005, dem orthodoxen Weihnachtsfest, nach.

Das Erlebnis der festlichen Liturgie in der Nikolauskathedrale und das herzliche Miteinander bei der anschließenden Agape verdichteten sich zum Wunsch, eine solch festliche Liturgie auch einmal im Zentrum der russischen Orthodoxie mitzufeiern. Dank des Einsatzes von Bischof Hilarion und der beharrlichen Reiseplanung durch Prof. Hofrichter hatte die Salzburger Pro Oriente Delegation unter der Leitung von Erzbischof Kothgasser nach gründlicher Vorbereitung und unter der kundigen Führung von P. Bonifaz Tittel OSB die einmalige Gelegenheit, vom 24. bis 30. April 2008 als Ehrengäste des russ.-orth. Patriarchats Ostern in Moskau zu erleben.

Der Aufenthalt bescherte unvergessliche Begegnungen, etwa am Karfreitag (25. April) in Butovo, einer neu errichteten Gedenkstätte für die Opfer des Stalinismus, im Martha-und-Maria-Kloster mit seinen sozial-karitativen Einrichtungen, im Sergius-Dreifaltigkeits-Kloster von Sergiev Posad mit seinen wunderbaren Kirchen, dem Museum und der Geistlichen Akademie. Der Höhepunkt schlechthin war aber die von Patriarch Aleksij II. geleitete Ostnachtfeier in der Christus-Erlöser-Kirche und die einstündige Audienz, die der Patriarch trotz der Strapazen dieses Tages nach der Vesper am Ostersonntag seinen Gästen aus Salzburg gewährte.

Im Geleitwort des Andreas-Petrus-Werk-Rundbriefs, in dem Erzbischof Kothgasser nach dem plötzlichen Tod des Patriarchen am 5. Dezember 2008 auf den Moskau-Aufenthalt zurückblickt, hält er seine Eindrücke mit den Worten fest: „Er sprach zwischendurch auch deutsch und wirkte insgesamt sehr gelöst. Das Foto, das Äbtissin M. Perpetua vom Nonnberg so gut gelungen ist und das ihn mit einem Lächeln auf den Lippen zeigt, ist mir ein kostbares Andenken an diese unvergessliche Begegnung. Selbst seine engsten Mitarbeiter waren verwundert, dass er uns so viel Zeit schenkte. Es ist eine tiefe innere und äußere freundschaftliche Beziehung zur Russ. Orth. Kirche gewachsen.“ (11) So sehr ihn der Verlust schmerze, so sehr freue er sich über die durch das russische Landeskonzil am 27. Jänner 2009 erfolgte Wahl von Metropolit Kirill (Gundjaev), den er ebenfalls in Moskau als Gastgeber und Gesprächspartner schätzen gelernt habe, zum Nachfolger und 16. Patriarchen von Moskau und der Ganzen Rus’, so Erzbischof Kothgasser im selben Geleitwort. Durch die tatkräftige Unterstützung von Bischof Hilarion, der am 30. März 2009 von Patriarch Kirill zum Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats berufen und in den Rang des Erzbischofs und schließlich des Metropoliten von Volokolamsk erhoben wurde, gelang eine kleine ökumenische Sensation: Das Interview, das Prof. Evgenij M. Vereščagin während des Moskau-Aufenthalts mit Erzbischof Kothgasser geführt hatte, erschien 2010 mit zwei in Moskau gehaltenen offiziellen Ansprachen und zwei Predigten, in denen Erzbischof Kothgasser die Positionen von Papst Benedikt XVI. und Papst Johannes Paul II. beleuchtet, sowie einem Bildteil, der die Reise dokumentiert, als orthodox-katholische Gemeinschaftsedition im Verlag des Moskauer Patriarchats und im Kulturzentrum „Geistliche Bibliothek“ in russischer Sprache. (12)

Vorangestellt sind zwei Vorworte von Metropolit Hilarion und dem röm.-kath. Moskauer Erzbischof Paolo Pezzi. DDr. Johann Krammer oblag die wissenschaftliche Redaktion. Mag. Josef Huber-Germanstatt, dem die heikle Aufgabe des Kuriers und Übersetzers zwischen Moskau und Salzburg zufiel, konnte im Jänner 2012 in Erfahrung bringen, dass das Buch im Priesterseminar der Autonomen Republik Tatarstan als Lehrbuch für den aktuellen Stand der orthodox-katholischen Beziehungen Verwendung findet.

Diözesanwallfahrt nach Rumänien und Pro Oriente Reise nach Armenien (2010)

Die von Erzbischof Kothgasser geleitete Diözesanwallfahrt nach Rumänien (30. Juni bis 7. Juli 2010) (13) ist auf dem Hintergrund eines weit zurückreichenden guten Einvernehmens zwischen der Erzdiözese und der Salzburger rum.-orth. Gemeinde unter ihrem Pfarrer Dr. Dumitru (Viezuianu) zu sehen. Hervorzuheben ist hier der von katholischer Seite (Erzabtei St. Peter, Stiftung Propter Homines, Andreas-Petrus-Werk) tatkräftig geförderte Bau der rum.-orth. Kirche mit Pfarrzentrum in Salzburg-Sam, zu deren Einweihung der Patriarch Daniel (Ciobotea) am 12./13. Juni 2009 mit großem Gefolge nach Salzburg kam. (14)

Dass über das gute ökumenische Miteinander hinaus vor allem durch die Begegnungen in Salzburg und dann auch in Bukarest eine persönliche Verbundenheit des Patriarchen mit den Repräsentanten der Salzburger Kirche gewachsen ist, unterstreicht ein Kondolenzschreiben, das er zum Ableben von Maria Anna Baronin Mayr-Melnhof geschickt hatte und das Pfarrer Dumitru (Viezuianu) bei dem von Erzbischof Kothgasser geleiteten Begräbnisgottesdienst am 6. August 2010 in Glanegg verlas.

Auf der Pro-Oriente-Reise nach Armenien vom 10. bis 18. September 2010 (15) stand das Kennenlernen der an Denkmälern der Vergangenheit so reichen Kulturlandschaft im Zentrum. Zwar wurde. Die 22-köpfige Delegation wurde sehr herzlich in Edschmiatsin, dem „Vatikan“ der Armen.-Apostol. Kirche empfangen. Es gab es eine Fülle aufschlussreicher Begegnungen z. B. mit den beiden Nonnen im Kloster der hl. Gayane, die die in Armenien erloschene klösterliche Lebensweise wiederbeleben möchten, oder im Vazgenyan-Priesterseminar am Sevansee. Darüber hinaus zogen die abwechslungsreiche Landschaft mit ihren Klöstern und den für Armenien typischen Kreuzkuppelkirchen und Kreuzsteinen und die von Tragödien wie dem Völkermord von 1915 geprägte Geschichte Armeniens die Aufmerksamkeit auf sich. Die äußerst kompetente Planung und Vorbereitung der Reise durch Univ.-Prof. Dr. Dietmar W. Winkler und Univ.-Doz. Dr. Dr. h.c. Jasmine Dum-Tragut machten diese Reise zur wohl lehrreichsten und interessantesten Pro Oriente Reise der Ära Erzbischof Kothgasser.

Es gab nur einen kleinen Wermutstropfen: Katholikos Karekin II., das Oberhaupt aller Armenier, der Österreich durch seine Wiener Studienjahre gut kennt, weilte auf einer Pastoralreise in den USA, daher kam es – zu seinem ausdrücklichen Bedauern und zum Bedauern der Salzburger Delegation – nicht zu einer Begegnung mit ihm auf armenischem Boden.

An der Brücke zu den Ostkirchen tüchtig weitergebaut

Es können hier nur einige wenige Aspekte und Schwerpunkte des Ostkirchenarbeit (16) herausgegriffen werden, die unter der „Bauaufsicht“ von Erzbischof Kothgasser angepackt, vorangetrieben und „erledigt“ wurden.

Die Liste von kirchlichen Repräsentanten, Bischöfen, Theologen und Ostkirchenexperten, die zu den zahlreichen von Pro Oriente Salzburg veranstalteten Ökumenischen Akademien (seit 2003 mehr als 40), zu den Symposien und Vorträgen, z. B. zu der bislang dreimal ausschließlich in Salzburg abgehaltenen internationalen Konferenz zur Erforschung der Kirche des Ostens in China und Zentralasien oder zu den jährlich im September in St. Virgil stattfindenden ICO-Tagungen nach Salzburg gekommen sind, ist kaum überschaubar.

Es gab aufschlussreiche Exkursionen wie zuletzt unter der Leitung von Erzbischof Kothgasser am 25./26. November 2011 nach Maribor. Ist es Univ.-Prof. Hofrichter gelungen, mit der Neugründung des Instituts für den Christlichen Osten im Jahr 2001und dank der Verbundenheit mit Maria Anna Baronin Mayr-Melnhof und durch die Unterstützung der Mayr-Melnhof Familienstiftung die Ostkirchenarbeit auf eine solide finanzielle Basis zu stellen, so konnte nach der Amtsübergabe an Univ.-Prof. Winkler in der Kath.-Theol. Fakultät und in der Folge zum Jahreswechsel 2005/2006 auch im Institut der Salzburger Ostkirchenschwerpunkt weiter gefestigt werden. Seit dieser Zeit hat sich das „Mayr-Melnhof Institut für den Christlichen Osten“ mit einem engagierten Team von Studenten, Wissenschaftlern und Mitarbeitern zur Drehscheibe zahlreicher Forschungsprojekte vor allem auf dem Gebiet des Christlichen Orients und der Koordination der Veranstaltungen im Dienst der Ökumene mit den Ostkirchen in Salzburg entwickelt, und es sind seit kurzem auch die Weichen für die Errichtung eines Zentrums zur Erforschung des Christlichen Ostens an der Universität Salzburg gestellt.

Der alljährlich zur Weltgebetswoche durch Pro Oriente gemeinsam mit dem Ökumenischen Arbeitskreis vorbereitete ökumenische Empfang verdient insofern Erwähnung, als Erzbischof Kothgasser durch die Verlegung ins Kardinal-Schwarzenberg-Haus das Forum der Begegnung entscheidend erweitert und durch seine Statements auch persönliche Akzente gesetzt hat, die ihre Wirkung nicht verfehlt und zu einem guten ökumenischen Klima und einer guten Einbindung der Arbeit von Pro Oriente in die Ökumenearbeit der Erzdiözese beigetragen haben. So war beim Ökumenischen Empfang am 11.2.2011 eine hochrangige Delegation der Syr.-orth. Kirche anwesend, die die Möglichkeiten der Errichtung eines syr.-orth. Studienkollegs erkundete und in Erzbischof Kothgasser einen engagierten Fürsprecher fand. Inzwischen ist man dem gesteckten Ziel und vor allem einander nahe gekommen, was durch die Teilnahme syr.-orth. Metropoliten an der Fronleichnamsprozession 2011 auch in der Öffentlichkeit sichtbar wurde.

Was die Salzburger Sektion von Pro Oriente anbelangt, hat er mit der im Jänner 2007 in Kraft getretenen Ernennung von Univ.-Prof. Winkler zum Vorsitzenden des Arbeitsausschusses und der Berufung einer Reihe neuer Mitglieder in das Komitee eine gutes Fundament gelegt, wenn auch der Tod von Frau Baronin Mayr-Melnhof im Sommer 2010 (17) und die schwere Erkrankung des Komitee-Vorsitzenden Altlandeshauptmann Katschthaler im Jahr 2011 einen schmerzhaften Verlust bedeuten. Hervorzuheben ist ferner, dass Erzbischof Kothgasser immer wieder ein offenes Ohr hatte und sich persönlich einsetzte, wenn es galt, Stipendiaten aus den orthodoxen und mit Rom unierten Ostkirchen ein Studium in Salzburg zu ermöglichen. Zwei der Stipendiaten, die mit Unterstützung der Erzdiözese ihr Studium in Salzburg erfolgreich abschließen konnten, sind in letzter Zeit in höhere kirchliche Ämter berufen worden: Abgar (Hovarkimian) zum Exarchen der Armen.-apostol. Kirche in Bulgarien und Jomy Joseph unter dem Namen Mor Anthemos zum Bischof der Syr.-orth. Kirche von Antiochien.

Ein besonderes Segment der Verantwortung von Erzbischof Kothgasser für die Ostkirchenarbeit ist mit seiner im Jahr 2004 übernommenen (18) Funktion des Nationalpräsidenten der Catholica Unio Österreich (Andreas-Petrus-Werk) gegeben. Immer wieder und auf verschiedenen Ebenen durfte ich als Nationalsekretär (seit 2001) sein Wohlwollen und sein Interesse an der Arbeit der Referenten in den Diözesen und der Vorstandsmitglieder erfahren. Er nahm an den jährlich am Freitag vor Pfingsten stattfindenden Nationalkonferenzen im Institut für den Christlichen Osten teil, wann immer es ihm möglich war, und man hatte nie den Eindruck, dass das für ihn nur eine lästige Pflichtübung war. In den Jahren der EU-Osterweiterung wies er wiederholt darauf hin, wie wichtig für die Integration Europas ein beherztes Zugehen auf die Orthodoxie sei. Er kam mit großer Gewissenhaftigkeit seiner Verantwortung auf der Ebene der Catholica Unio Internationalis nach und brachte sich so nachhaltig auf den jährlichen Generalversammlungen ein, bereits 2003 im Benediktinerstift Melk (19), 2006 als Gastgeber im Bildungshaus St. Virgil in Salzburg (20), und mehrfach in Würzburg, dem Sitz der Catholica Unio Deutschland, dass er im Oktober 2010 kurz vor der Generalversammlung in der Benediktinerabtei Mariastein (Schweiz) (21) von Kardinal Leonardo Sandri, dem Präfekten der Ostkirchenkongregation, als Nachfolger von Weihbischof Pierre Bürcher zum Generalpräsidenten der Catholica Unio bestellt wurde. Es war ein bewegender Augenblick und ein mit großem Beifall aufgenommener Akt der Anerkennung seines Einsatzes für die Versöhnung mit den getrennten Ostkirchen vor diesem internationalen Forum, als DDr. Krammer im Auftrag des Leiters des Moskauer Außenamtes, Metropolit Hilarion (Alfeev), und versehen mit dessen persönlicher Widmung das in Moskau 2010 in russischer Sprache erschienene Interviewbuch überreichte.

Anmerkungen:

(1) Zur Geschichte der Catholica Unio mit seinem seit 1951 in Salzburg beheimateten Landessekretariat für Österreich vgl. Gottfried Glaßner, Ostkirchenarbeit und ostkirchliche Initiativen im Vorfeld der Gründung der Salzburger Sektion der Stiftung Pro Oriente, in: Ostkirchliches Christentum in Salzburg. Hrsg. von Peter L. Hofrichter. Salzburg 2006, S. 67-83; zur Geschichte von Pro Oriente Salzburg seit der Gründung der Sektion im Jahr 1985 vgl. Peter L. Hofrichter, Pro Oriente in Salzburg, in: ebd. S. 85-96. Der Sammelband dokumentiert die beim Symposion „Ostkirchliches Christentum in Salzburg“ am 3.5.2005 gehaltenen Referate über die in Salzburg vertretenen Ostkirchen und die Ostkirchenarbeit in der Erzdiözese Salzburg.

(2) Vgl. Gottfried Glaßner / Peter L. Hofrichter, Das Antlitz nach Osten gewendet, in: In Signo Crucis Omnia. Festschrift zum 75. Geburtstag von Erzbischof Dr. Georg Eder (Schriftenreihe des Salzburger Konsistorialarchivs Bd. 6). Salzburg 2003, S. 433-448.

(3) Vgl. Gottfried Glaßner, Ökumenischer Patriarch Bartholomaios I. als offizieller Gast der Bundesregierung Österreichs vom 16. bis 22. Juni 2004, in: Der Christliche Osten 59 (2004), S. 335-337.

(4) Vgl. Gottfried Glaßner, Eine Bibliothekarin entdeckt den Christlichen Osten. Zum Tod von Reg.Rat Alja Payer, in: Der Christliche Osten 63 (2008) S. 132-140.

(5) Alja Payer, Der Ökumenische Patriarch Athenagoras I., ein Friedensbringer aus dem Osten. Würzburg 1986.

(6) Alja Payer, Kaiserinnen machten Kirchengeschichte: Helena, Pulcheria, Eudokia, Theodora I., Eirene, Theodora II., Theophanu. Hrsg. von Gottfried Glaßner (Frühes Christentum. Forschungen und Perspektiven Bd. 7). Thaur b. Innsbruck 2002.

(7) Vgl. Gottfried Glaßner, Gute Beziehungen vertiefen. Erzbischof Kothgasser mit Pro Oriente-Delegation vom 9. bis 12. Dezember 2006 in Istanbul, in: Der Christliche Osten 62 (2007), S. 129-132.

(8) Ebd. 129.

(9) Geleitwort des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., in: Renate Egger-Wenzel (Hg.), Geist und Feuer. Festschrift anlässlich des 70. Geburtstages von Erzbischof Dr. Alois M. Kothgasser SDB (Salzburger Theologische Studien Bd. 32). Innsbruck-Wien 2007, S. 13f.

(10)

Siehe den Bericht von Albert Hötzer über die Bischofsweihe in: Christlicher Osten. Rundbrief des Andreas-Petrus-Werks 2012/1, S. 4.

(11)

Geleitwort von Erzbischof Alois Kothgasser, in: Christlicher Osten. Rundbrief des Andreas-Petrus-Werks 2009/1, S. 1.

(12)

Aktual’nejšie mežkonessional’nye problemy v kompetentnom bogoslovskom izloženii (Aktuelle interkonfessionelle Probleme in kompetenter theologischer Darlegung). Interview des Salzburger Erzbischofs Alois Kothgasser bei seinem Besuch in Moskau. Moskau 2010.

(13)

Vgl. Rupertusblatt Nr. 28/29 vom 18. Juli 2010, S. 1, 2 und 13.

(14)

Siehe den Bericht über den Österreichbesuch des rum.-orth. Patriarchen vom 12.-16. Juni 2009 in: Christlicher Osten. Rundbrief des Andreas-Petrus-Werks 2009/2, S. 3.

(15)

Vgl. Gottfried Glaßner, Pilger- und Bildungsreise. Sektion Salzburg in Armenien (10.–18.9.2010), in: Pro Oriente Jahrbuch 2010. Wien – Salzburg – Graz – Linz. Hrsg. von der Stiftung Pro Oriente. Wien 2011, S. 255-259; Christlicher Osten. Rundbrief des Andreas-Petrus-Werks Nr. 2010/2, S. 1-3.

(16)

Die jährlich erscheinenden Berichte des Mayr-Melnhof Instituts für den Christlichen Osten, des Andreas-Petrus-Werks und von Pro Oriente Salzburg in den „Mitteilungen des Katholischen Hochschulwerks“ geben einen guten Überblick.

(17)

Dietmar W. Winkler / Gottfried Glaßner, Maria Anna Baronin Mayr-Melnhof †, in: Der Christliche Osten 65 (2010), S. 239-241.

(18)

Gottfried Glaßner, Fünfte Nationalkonferenz der Catholica Unio Österreich unter der Leitung des neuen Nationalpräsidenten Erzbischof Dr. Alois Kothgasser am 28. Mai 2004, in: Der Christliche Osten 59 (2004), S. 183-184; siehe auch das Grußwort auf dieser Website.

(19)

Gottfried Glaßner, „Catholica Unio Internationalis“ im Stift Melk, in: Melker Mitteilungen Nr. 170 (2004), S. 31-41.

(20)

Gottfried Glaßner, Internationales Forum für den Gedankenaustausch. Generalversammlung der Catholica Unio Internationalis vom 25. bis 28. Oktober 2006 in Salzburg, in: Der Christliche Osten 62 (2007), S. 125-128.

(21)

Kilian Karrer, Erzbischof Alois Kothgasser neuer Generalpräsident für Catholica Unio, in: Der Christliche Osten 66 (2011), S. 120-121.