Friedensgebet für den Orient – Runder Tisch der Patriarchen

Am Samstag, 7. Juli 2018, hat Papst Franziskus die Patriarchen der östlichen Kirchen nach Bari eingeladen. Für den zweistündigen Dialog wurden die Kirchenbänke aus dem Mittelschiff der Nikolausbasilika entfernt. An ihrer Stelle wurde ein großer „runder Tisch“ aufgestellt. Die Symbolik der Sitzordnung sprach für sich: 20 „gleichrangige“ Sessel für den Papst und die Patriarchen, dahinter eine zweite Sesselreihe für die Assistenten, weitere vier Sitzplätze für die Kardinäle Pietro Parolin, Angelo Becciu, Leonardo Sandri und Kurt Koch in der Ecke. Alle anderen mussten die Kirche für das Gespräch verlassen, die Türen wurden wie beim Konklave verschlossen.

Nach der persönlichen Begrüßung stieg der Papst mit den Patriarchen zunächst in die Krypta der Basilika hinab, wo die Reliquien des hl. Bischofs von Myra ruhen. Es war ein bewegender Moment, als er die „einflammige Lampe“ entzündete. Sie hat die Form eines Schiffs das die Kirche symbolisiert.

Auf den Schultern der Nikolausbüste befinden sich zwei Pokale, die die Kirchen des Ostens und des Westens repräsentieren und auf Lateinisch und Griechisch das Abschiedsgebet Jesu tragen, „dass alle eins seien“. Die Pokale sind mit unterschiedlichen Ölen gefüllt, mit denen die Verschiedenheit der Traditionen und Riten in der einen Kirche zum Ausdruck kommt, wie P. Giovanni Distante, der Rektor der Nikolausbasilika, im Gespräch mit den Journalisten erläuterte.

Nach dem Besuch in der Krypta fuhren die Teilnehmer des Treffens im Kleinbus zum Hafengelände, wo mit Blick auf das offene Meer vor gut zehntausend Gläubigen das einstündige Friedensgebet für den Nahen Osten stattfand. Nach dem Vaterunser entzündete jeder Kirchenvertreter ein Friedenslicht, das auf einen gemeinsamen Leuchter gestellt wurde.

Papst Franziskus warnte vor einem Verschwinden der Christen aus dem Nahen Osten. Ohne sie wäre es nicht mehr der Nahe Osten mit seiner reichen theologischen, geistlichen und künstlerischen Tradition. Die Wahl der Nikolausbasilika als Begegnungsort war kein Zufall: Die Basilika ist im Hinblick auf die vielen Pilger aus den Ostkirchen ein Ort der praktischen Ökumene.

Die Teilnehmerliste von Bari ist ein eindrucksvolles Zeugnis ökumenischer Synodalität: Erzbischof Pizzaballa, der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I., der griech.-orth. Patriarch von Alexandrien, Theodoros II., Metropolit Nektarios (Selalmadzidis) aus Jerusalem, Metropolit Hilarion (Alfejew), Metropolit Basilios (Karayiannis) aus Zypern, der kopt.-orth. Papst-Patriarch Tawadros II., der syr.-orth. Patriarch Mor Ignatius Aphrem II., Erzbischof Hovakim (Manukian) aus Armenien, der armen.-apost. Katholikos von Kilikien, Aram I., der assyr. Katholikos-Patriarch Mar Gewargis III., der maronit. Patriarch Kardinal Bechara Boutros Rai, der melkit. Metropolit von Aleppo, Jean-Clement Jeanbart, der syr.-kath. Patriarch, Mor Ignatius Yousef III., der chald.-kath. Patriarch Kardinal Mar Louis Raphael Sako, der armen.-kath. Patriarch Krikor Bedros XX., der kopt.-kath. Patriarch Ibrahim Isaac Sidrak, der evang.-luth. Bischof von Jerusalem, Sani Ibrahim Azar und Prof. Souraya Bechealany, die Generalsekretärin des Nahost-Kirchenrats.

Gottfried Glaßner OSB