+ Florian Anton Buchmayr

Florian Buchmayr

KsR Florian Anton Buchmayr, Nationalsekretär des Andreas-Petrus-Werks (1987–2001), zum Gedächtnis

(aus Rundbrief 2001/2)

Florian Anton Buchmayr wurde am 20. Juli 1932 in Saxen bei Grein in Oberösterreich geboren. Nach der Matura am renommierten Linzer Gymnasium Petrinum studierte er in Linz, Salzburg und Innsbruck Philosophie und Theologie. Persönliche Kontakte mit den Klerikern im Kolleg St. Benedikt in Salzburg, dem Studienhaus der deutschsprachigen Benediktiner, ebneten ihm den Weg in das Benediktinerstift Göttweig. Am 1. Mai 1961 empfing er in Göttweig die Priesterweihe. Zunächst wirkte er als Sängerknabenpräfekt, dann lange Jahre als Kaplan, Pfarrer und Dechant in Mautern a.d. Donau.

Es war eine Zeit des ökumenischen Aufbruchs, und P. Florian setzte in seiner Tätigkeit als Seelsorger schon damals Akzente, die seine Aufgeschlossenheit für die Ökumene mit den Ostkirchen dokumentierten. Gemeinsam mit der rumänischen Botschaft und Gemeinde in Wien organisierte er eine vielbeachtete Ikonenausstellung in Mautern. Begeistert nahm er Anteil an den ökumenischen Initiativen der Stiftung Pro Oriente und unternahm selbst mit seiner Pfarrgemeinde Studienreisen nach Russland, Griechenland, in die Türkei, in den Libanon und nach Israel. Zahlreiche persönliche Begegnungen, u.a. mit Shenouda III., Patriarch der koptischen Kirche in Ägypten, waren die Frucht seiner Bemühungen. Nachhaltigen Eindruck hinterließ eine Audienz beim Ökumenischen Patriarchen Athenagoras in Istanbul.

Als er 1983 nach Salzburg übersiedelte und seinem Onkel Gilbert Buchmayr als Pfarrer von St. Jakob am Thurn nachfolgte, ergaben sich naturgemäß engere Kontakte zur Catholica Unio und dem damaligen Landessekretär Prälat Leonhard Lüftenegger, dem P. Florians Interesse für den Christlichen Osten nicht entgangen war. Am 1. November 1987 übernahm er mit dem Segen von Erzbischof Dr. Karl Berg die Leitung des Landessekretariates.

P. Florian entfaltete in seiner Zeit als Pfarrer von St. Jakob am Thurn und Elsbethen (seit 1988) eine äußerst breitgefächerte seelsorgliche Tätigkeit, die weit über die Grenzen seines Pfarrgebietes hinausreichte: als Militär-Dekan, als geistlicher Assistent der Studentenverbindung (ÖCV und MKV), als Kurat der Jakobi-Schützen, als Katechet und geistlicher Begleiter. Seine besondere Liebe galt aber immer den notleidenden Christen im Osten. Man kann bei der Vielfalt seiner Funktionen und Aufgaben über die Fülle an Initiativen nur staunen, die er in diesem Bereich in die Wege leitete. Es lag wohl an seinem freundlichen Wesen, dass er so viele Menschen für eine fruchtbare Begegnung mit den Kirchen des Ostens zu begeistern verstand.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs war die Linderung der Not und die Hilfe zum Wiederaufbau in Osteuropa sein vordringliches Anliegen. Es fehlte schlicht an allem. Besonders schmerzlich wurde der Mangel an religiöser Literatur bewusst. DDr. Johann Krammer vermittelte die Kontakte zu Erzpriester Vladimir Rozhkov, dem russisch-orthodoxen Pfarrer der Kirche des hl. Nikolaus der Schmiede in Moskau. Gemeinsam mit P. Florian konnte er im Dezember 1990 eine reichhaltige Lieferung an Sachspenden und religiöser Literatur, darunter 2000 Bibeln, aus Österreich überbringen. Eine enge und langjährige Freundschaft verband ihn mit Militärbischof Savva, für dessen Waisenkinder er immer wieder Sachspenden aus Österreich organisierte. Nach Kräften unterstützte er die Herausgabe des „Buches über die Kirche“ von V. Andrej Lorgus, das inzwischen zu einem hochgeschätzten Standardwerk der Glaubensunterweisung in Russland geworden ist und – im Bemühen um eine adäquate deutsche Übersetzung – auch ein schönes Beispiel fruchtbarer Zusammenarbeit von westlicher (römisch-katholischer) und östlicher (russisch-orthodoxer) Kirche.

Natürlich blieb sein Engagement für die Christen im Osten nicht auf Russland beschränkt. Erwähnt seien hier nur der in mehreren Etappen organisierte Beitrag für die Restaurierung der künstlerisch herausragenden Ikonostase der Dreifaltigkeitskathedrale von Russe in Bulgarien und die Einweihung des „Pavillon St. Florian“ im Tuberkulosezentrum Bhannes im Libanon am 4. Mai 1997. Studien- und Pilgerreisen nach Russland, Bulgarien, Rumänien vertieften die Kontakte mit den Christen in Osteuropa. Die Teilnahme an der Ukraine-Reise im August 2000, zu der er sich noch angemeldet hatte, ließ sein angeschlagener Gesundheitszustand nicht mehr zu.

Zuletzt war die Verabschiedung der neuen Statuten mit der Änderung des Namens der österreichischen Landesorganisation der Catholica Unio in Andreas-Petrus-Werk sein großes Anliegen. Er war ein Mann der leisen Töne, der nicht viel Aufhebens machte und doch sehr wirkungsvoll zupacken konnte. Das hob auch P. Dr. Gregor Hohmann OSA anlässlich des Gedenkgottesdienstes am 1. Juni 2001 in der Salzburger Markuskirche hervor: Während man in Deutschland und in der Schweiz seit Jahren über eine Namensänderung diskutierte und sich letztlich doch nicht zu einem solchen Schritt durchringen konnte, hat er sie in Österreich einfach in die Tat umgesetzt. „Damit hat er vorgeführt, dass die leisen Töne viel wirksamer sind als manches lautes Getöse.“ Was ihm dieser Schritt bedeutete, ist auch daran zu ersehen, dass er kurz nach der Approbierung der neuen Statuten durch die Österreichische Bischofskonferenz (Mai 1999), sein Testament zugunsten der Christen im Osten neu schrieb!

Im Jänner 2001 fuhr P. Florian, bereits von schwerer Krankheit gezeichnet, noch einmal gemeinsam mit seinem Freund Pfarrer Wolfgang Peschke von Fuschl nach Rom, um an der ROACO, der Konferenz der Hilfsorganisationen für die mit Rom unierten Ostkirchen, teilzunehmen. Es war zugleich ein Abschniednehmen von der Ewigen Stadt, die ihm soviel bedeutete. Hier begegnete er wie sonst nirgends der Weltkirche, der er von seinen beiden kleinen Pfarren im Salzburger Land aus weit das Herz geöffnet hatte. Seine Eindrücke ließ er noch einmal in das Geleitwort des letzten Rundbriefes einfließen, an dessen Fertigstellung er im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder bis zuletzt mitgewirkt hat.

Am Sonntag, 25. Februar 2001, im 69. Lebens- und 40. Priesterjahr hat Gott P. Florian zu sich gerufen. Seine beiden Pfarrgemeinden haben am Freitag, 2. März (Elsbethen), und Samstag, 3. März (St. Jakob am Thurn), mit großer Beteiligung und in ergreifender Weise von ihrem Seelsorger Abschied genommen. Prof. Dr. Johann Paarhammer dankte in seiner unvergesslichen Predigt ausdrücklich für diesen würdigen Abschied und die Betreuung am Krankenbett: „Dass eine Gemeinde beim Sterben ihrem Seelsorger so nahe ist, habe ich bisher andernorts noch nicht gehört und erlebt!“ Msgr. Luzian Lamza erinnerte in Vertretung des Sekretärs der Ostkirchenkongregation bei der Beisetzung in St. Jakob an den 11. August 1999, da er zuletzt an diesem Ort gemeinsam mit P. Florian die totale Sonnenfinsternis erlebt hatte: Es habe damals etwas von jenem wundersamen Licht aufgeleuchtet, das P. Florian über die Finsternis des Todes hinaus als Licht der Auferstehung des Herrn erstrahlen möge!

Die rege Anteilnahme an den Begräbnisfeierlichkeiten, die Ansprachen und Kondolenzschreiben machten deutlich, wie viele Menschen in P. Florian einen guten Freund verloren haben. Gerade auch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Catholica Unio hier in Österreich, in der Schweiz, in Deutschland und wo immer sie im Dienst der Ostkirchen tätig sind, werden ihn noch lange vermissen. Was bleibt, ist sein Vorbild und der Auftrag, sein großes Lebenswerk in seinem Sinn fortzuführen.

Gottfried Glaßner OSB