Erzbischof Alois Kothgasser zur Amtsübergabe

Liebe Freunde des Andreas-Petrus-Werks!

Erzbischof em. Alois Kothgasser SDB - APA-Foto: Franz Neumayr

Erzbischof em. Alois Kothgasser SDB – APA-Foto: Franz Neumayr

Bei der diesjährigen Nationalkonferenz des Andreas-Petrus-Werks am 2. Juni konnte ich das Amt des Nationalpräsidenten, das ich 2004 übernommen habe, an Erzbischof Dr. Franz Lackner OFM, meinem Nachfolger als Erzbischof von Salzburg, übergeben. Ich freue mich sehr über seine Bereitschaft, die Verantwortung für das Ostkirchenwerk zu übernehmen, die seit 1952 dem jeweiligen Erzbischof von Salzburg anvertraut ist.

Ich hatte erstmals bei der im Herbst 2003 im Stift Melk abgehaltenen Generalversammlung der Catholica Unio Internationalis Gelegenheit, das in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätige Werk kennenzulernen, damals als designierter Nationalpräsident in der Nachfolge von Erzbischof Dr. Georg Eder. In der Frühjahrsvollversammlung der österreichischen Bischöfe 2004 wurde ich offiziell mit diesem Amt betraut. Ich wünsche Erzbischof Lackner, der im Herbst offiziell meine Nachfolge antreten wird, dem Nationalsekretär P. Dr. Gottfried Glaßner OSB und allen Mitarbeitern im Vorstand einen guten Weg in die Zukunft. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass es unserer Kirche, gerade auch der Salzburger Ortskirche, gut tut, wenn Einrichtungen wie das Andreas-Petrus-Werk erhalten bleiben, die sich engagiert dem Dienst an der Einheit der Kirchen in Ost und West widmen.

In den Anfangjahren meiner Amtszeit in Salzburg rückten im Zuge der Osterweiterung der Europäischen Union mit Rumänien und Bulgarien Länder mit mehrheitlich orthodoxer Bevölkerung ins Blickfeld. Mir wurde bewusst, dass die Frage der europäischen Integration auch eine Frage eines gedeihlichen Miteinanders der getrennten Kirchen ist, und ich machte es mir zur Aufgabe, dieses Miteinander auf verschiedenen Ebenen zu vertiefen. Einmal durch ökumenische Pilgerreisen zu den Ostkirchen: Jeweils an der Spitze einer Delegation von Pro Oriente Salzburg nach Istanbul (2006), Russland (2008), Armenien (2010) und Bulgarien (2013), dazu im Rahmen einer Diözesanwallfahrt nach Rumänien (2010) und im Auftrag der Österreichischen Bischofskonferenz zur Bischofsweihe von Metropolit Arsenios nach Istanbul (2011). Ferner durch die Teilnahme an den Generalversammlungen der Catholica Unio, die immer auch Begegnungen mit den am Tagungsort vertretenen Ostkirchen und ostkirchlichen Einrichtungen vorsahen: Unter anderem mehrfach in Würzburg, 2008 in der Benediktinerabtei Chèvetogne in Belgien, 2013 in Prag, 2015 im Collegium Orientale in Eichstätt, zuletzt 2016 in Rom. Mit einigen Kirchenoberhäuptern ergaben sich wichtige Kontakte durch Begegnungen auf Salzburger Boden: 2004 mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., 2009 mit Patriarch Daniel von Rumänien, 2016 mit dem syr.-orth. Patriarchen Mor Ignatius Afrem II.

Ich bin dankbar für viele interessante Begegnungen, die mir die Welt des Christlichen Ostens erschlossen haben. Ich bin aber angesichts des fortgeschrittenen Alters auch dankbar, dass ich verantwortungsvolle Aufgaben im Dienst der Ökumene in andere Hände übergeben konnte: Mit 1. Juli 2016 das Amt des Generalpräsidenten der Catholica Unio, das mir seit 2010 anvertraut war, und jetzt auch das Amt des Nationalpräsidenten für Österreich. Zuletzt hat mich die Ernennung von Hansjörg Hofer zum Weihbischof und die so positive Resonanz der Gläubigen auf die Bischofsweihe am 9. Juli 2017 im Salzburger Dom in meiner Zuversicht bestärkt, dass die Erzdiözese Salzburg mit ihren Einrichtungen auf einem guten Weg ist, der auch der Ökumene neue Impulse geben kann und wird.

Möge Gott der Dreieinige alle Bemühungen auf diesem Weg mit seinem Segen begleiten.

Erzbischof em. Dr. Alois Kothgasser SDB, Nationalpräsident

Erzbischof em. Alois Kothgasser