Damaskinos Papandreou. Erster Metropolit der Schweiz 1969–2003

In: „Der Christliche Osten” 69 (2014) Nr. 2
von Regina Augustin


– Der Artikel erscheint hier in leicht gekürzter und veränderter Form (siehe Anmerkung 2) –

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Das von Maria Brun vorgelegte Buch(1) über den ersten Metropoliten der Schweiz ist zweisprachig (deutsch und neugriechisch) und verfügt über einen umfangreichen Bildteil, der die Stationen im Leben von Damaskinos Papandreou dokumentieren soll. Mit viel Engagement und der Unterstützung der griechisch-orthodoxen Kirche konnte die Theologin und langjährige enge Mitarbeiterin des Metropoliten dieses Buch 2011 herausgeben. Brun arbeitete auch als Informationsbeauftragte für die Schweizer Bischofskonferenz und war an verschiedenen Universitäten als Lehrende vor allem mit Schwerpunkt Orthodoxie tätig. Sie ist Mitherausgeberin der Zeitschrift Una Sancta und seit 2013 Nationalsekretärin der Catholica Unio Schweiz.

Metropolit Damaskinos Papandreou wurde 1936 in Griechenland geboren. Er studierte Theologie an der Theologischen Hochschule in Chalki, Bonn und Marburg. Dort begegnete er auch Prof. Joseph Ratzinger. Aus dieser Begegnung heraus erwuchs im Laufe der Jahre eine wahrhaft ökumenische Freundschaft. 1961 wurde er zum Priester geweiht. Seine ersten Aufgaben waren vor allem im Seelsorgerischen zu sehen. 1966 wurde er vom Ökumenischen Patriarchen Athenagoras I. zum Direktor des neu gegründeten Orthodoxen Zentrums des Ökumenischen Patriarchats in Chambesy ernannt. 1982 beschloss der Heilige Synod des Ökumenischen Patriarchats die Schaffung einer Metropolie der Schweiz. Zum ersten Bischof der neu errichteten Metropolie wurde der bereits 1970 zum Bischof geweihte Damaskinos Papanderou gewählt. Er starb 2011 in Genf.

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Das Buch „Damaskinos Papandreou. Erster Metropolit der Schweiz 1969–2003“ nimmt Bezug auf all diese Lebensstationen des Metropoliten. Ein Geleitwort des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. zeigt bereits die große Bedeutung des ersten Metropoliten der Schweiz an.

Im Einleitungsteil stellt Maria Brun die Aufbruchsstimmung, die ersten Hürden des Dialogs und die großen ökumenischen Errungenschaften der 60er bis 80er Jahre dar. Es ist dies der historische Kontext, aus dem die Biographie des Metropoliten und seine herausragende Stellung im Rahmen der ökumenischen Bewegung erst im vollen Umfang verständlich wird.(2)

Im Anschluss an die Einleitung berichtet die Autorin über die Lebensstationen von Damaskinos Papandreou. Sie gliedert diese Stationen in fünf Punkte:

  • Vorsteher des Orthodoxen Zentrums
  • Sekretär für die Vorbereitung des Heiligen und Großen Konzils
  • Metropolit der Schweiz
  • Promotor der interreligiösen Dialoge
  • Gründer des Instituts für höhere Studien in orthodoxer Theologie

All diese Kapitel sind verbunden mit einer Darstellung der Einrichtungen, denen Papandreou vorstand bzw. der Funktionen, die er darin ausfüllte. Klar herausgestellt werden die Persönlichkeit, die Theologie und das offene und weite Denken des Metropoliten, welches das Profil vieler Einrichtungen prägte.

Das Kapitel 7 stellt die Theologie bzw. den Theologen Damaskinos Papandreou in den Mittelpunkt und würdigt seine umfangreiche Publikationstätigkeit. Sehr ausführlich werden hier die einzelnen Themenschwerpunkte wieder aufgegriffen und aus seinen Werken heraus belegt. Die eingefügten Zitate unterstreichen und verdeutlichen das großartige und zum Teil visionäre Denken des Metropoliten.
Bereits im Vorwort der Autorin wird deutlich, dass das Buch in erster Linie ein Bildband sein soll, daher findet sich in der Mitte eine sehr umfangreiche bildliche Darstellung des Lebens des Metropoliten in den Jahren 1969–2003. Viele der bedeutenden Momente, herausragende Begegnungen und wichtige Dokumente, die mit ihm in Verbindung stehen, werden abgebildet.

Das Buch verfolgt das Ziel, Wirken und Werk des herausragenden Ökumenikers und Metropoliten Damaskinos Papandreou darzustellen. Durch Detailauflistung von Ehrungen und Auszeichnungen, die ihm zuteil wurden und durch die teils ausführliche Dokumentation seiner Tätigkeit wird zwar der Lesefluss erschwert, aber man erhält so einen breit gestreuten und umfassenden Einblick in den Stellenwert, der seinen ökumenischen Initiativen zukommt, und in die Anerkennung, die er von verschiedenen Seiten erfahren hat. Unter der Fülle des dargebotenen Materials (ausführliche, eher knapp und mangelhaft ausgewiesene Zitate aus Publikationen und nicht immer qualitätvolle und gut platzierte Abbildungen) leidet die Übersichtlichkeit. Positiv hervorzuheben ist Kapitel 5, in dem Metropolit Damaskinos auf eindrucksvolle Weise als „Promotor der interreligiösen Dialoge“ zur Geltung kommt.

Angesichts der umfangreichen Tätigkeit des Metropoliten und der vielfältigen Funktionen, die er im Laufe seines Lebens ausübte, ist es mit Sicherheit keine einfache Aufgabe gewesen, seine Biographie zu erstellen. Daher ist das Buch trotz mancher Schwächen ein wahrhafter Segen für die Ökumene und ökumenisch Interessierte. Die Autorin hat die Struktur gut und deutlich überlegt und besondere Aufgabenbereiche und Themenschwerpunkte gewählt, die einen ausgezeichneten Einblick in das Leben von Metropolit Damaskinos vermitteln, dass von tiefer Gläubigkeit getragen und vom Geist der Ökumene und des interreligiösen Dialogs erfüllt war.

Anmerkungen:

(1) Maria Brun, Damaskinos Papandreou. Erster Metropolit der Schweiz 1969–2003. Athen 2011. 766 Seiten (Bilddokumentation S. 179–568).

(2) Kursiv gesetzter Text auf Anregung von Maria Brun gegenüber der Druckfassung korrigiert (Gottfried Glaßner).