Bulgarien 3.0 – Chorreise 2019 (Johannes-Chrysostomos-Chor Vorarlberg)

„Es ist beim Singen ganz etwas anderes, wenn man ein Land und vor allem Leute kennenlernt, die diese Tradition leben.“ – so der Ausspruch eine Sängerin während der Reise.
Was war nun das Besondere an dieser Reise – der dritten, die der Vorarlberger Johannes-Chrysostomos-Chor in das Heimatland der Dirigentin unternahm?

Die Vorgeschichte

Dora Kutschi-Doceva

Dirigentin Mag. Dora Kutschi-Dočeva

Die Dirigentin unseres Chores, Mag. Dora Kutschi-Dočeva, ist in der Stadt Vratsa im Nordwesten Bulgariens zu Füßen imposanter Berge des Balkangebirges geboren. Sie arbeitet als Dozentin für Gesang am Vorarlberger Landeskonservatorium in Feldkirch. 2014 hatte uns der Vater der Dirigentin, dem unser Gesang in der Liturgie gefallen hatte, mit den Worten eingeladen: „Ihr müsst unbedingt einmal nach Bulgarien kommen.“ Wir nahmen diese Einladung gerne an und 2015 stand eine „Klosterreise“ auf dem Programm. Wir staunten über die Naturschönheiten, über die reiche, sehr alte Kultur, die Goldschmiedekunst und über schöne, gepflegte Klöster, die wir besuchten und in denen wir meist ein „Vater unser“ oder ein „Gottesgebärerin Jungfrau“ (Gegrüßet seist du Maria) sangen. Wir waren willkommen und hatten einige gute Begegnungen. Diese erste Reise führte uns in den Südwesten, in das Balkange-birge in der Landesmitte und dann nach Sofia.

Schon damals entstand der Wunsch, noch mehr von Bulgarien kennenzulernen. 2017 war es wieder so weit: die Schwarz-meerküste Bulgariens, mit Recht ein beliebtes Ziel von Touristen, kann auch mit vielen historischen, landschaftlichen und kulturellen Schätzen aufwarten. In der reizvollen alten Stadt Nesebar war über das Reisebüro ein Konzert organisiert worden. In der Kirche zur Entschlafung der Gottesgebärerin (Gottesmutter) hatten sich viele Hörer eingefunden. Obwohl wir einiges in deutscher Sprache sangen, erhoben sich die Menschen beim „Vater Unser“! Der Einladung des Priesters, doch eine Liturgie mitzusingen – zum Beispiel zum Patrozinium am Fest der Entschlafung der Gottesgebärerin (Uspenije) am 15. August, konnten wir noch nicht nachkommen.

In Sv. Vlas (in der Nähe der Stadt Nesebar) erhielten wir auch eine Einladung, hier doch einmal ein Konzert zu singen.

Die Reise

Bulgarien Bergformationen

Bergformationen im Nordwesten Bulgariens

Vratsa

Im Frühjahr 2018 überraschte uns Dora, unsere Dirigentin, mit einer Einladung des Priesters ihrer Heimatstadt Vratsa, Vr. Asparuch, ein Konzert gemeinsam mit dem Damenchor der Pfarrkirche zu singen. So begannen die Vorbereitungen im Herbst. Bald kristallisierte sich die Reisegruppe mit 22 Personen heraus – einige befreundete Sänger und Sängerinnen gesellten sich zu unserer Unterstützung dazu; zwei davon sind – ebenso wie mein Mann und ich Diözesanreferenten des Andreas-Petrus-Werkes. So startete die Reise am 10. Juli 2019. Vratsa, liegt etwa 120 km nordwestlich von Sofia mitten im Balkan. Zwei Tage erkundeten wir die weitere Umgebung, die Vieles bietet: Wanderwege, Höhlen und Klettersteige, religiöses (Klöster, in denen wir singen durften), kulturelles und ethnographisches Erbe. Wir trafen Vr. Asparuch, einen freundlichen, energischen Priester, mit dem wir uns gut verstanden. (Dora und unsere Reiseleiterin haben gedolmetscht.) Überrascht waren wir über die wunder-schönen Plakate, die offensichtlich in der Diözese Vratsa verteilt worden waren. – Nebenbei: Wir hatten auch nicht gewusst, dass Vratsa Bischofssitz ist!

Eindeutiger Höhepunkt aber war das Konzert, das wir gemeinsam mit dem Frauenchor der Kirche „Zur Himmelfahrt des Herrn“ singen durften. Kurz vor dem Konzert erfuhren wir, dass Metropolit Grigorios anwesend sein würde. Er war kurz vorher von einer Auslandsreise zurückgekehrt – niemand wusste davon, dass er den Konzertbesuch geplant hatte.

Konzert Gruppenfoto

Nach dem Konzert in Vratsa mit Metropolit Grigorios und Vater Asparuch (rechts)

Die Kirche war überfüllt, das lokale Fernsehen war anwesend und hatte die beiden Dirigenten zu einem Interview gebeten, und dann das Konzert aufgenommen. Mit Blumen und Geschenken wurden wir bedankt. Beim nachfolgenden gemeinsamen Abendessen haben wir den Pfarrer von Vratsa und seinen Chor zu einem Gegenbesuch in Österreich eingeladen. Sie haben diese Einladung gerne angenommen.

Kardschali

Am Samstag, 13. Juli fuhren wir nach Kardschali, nahe der griechischen Grenze. Unterwegs besuchten wir das – touristisch überlaufene – Kloster Trojan, in dem der Vertreter des Abtes uns vor vier Jahren Liturgie-Noten des bulgarischen Komponisten P. Dinev geschenkt hatte. Leider lebt er nicht mehr im Kloster. Trotzdem durften wir auch hier vor der wundertätigen Ikone, der Muttergottes mit den drei Händen, singen.

Klosterkirche Trojan

Die Klosterkirche von Trojan

Auf der etwa 400 km langen Strecke besuchten wir noch das Rosental, ein neu ent-decktes thrakisches Hügelgrab und die Kirche für die im August 1877 am Shipkapass gefallenen russischen Soldaten, die für die Befreiung Bulgariens von den Osmanen gekämpft hatten. Großes Erstaunen rief die größte Muttergottesstatue im islamisch geprägten Kardschali hervor. Nach Ausflügen zu thrakischen Kultstätten (darunter das Grab des Orpheus) und zu einem Weingut an der griechischen Grenze ging es weiter an den Sonnenstrand.

Gedenkkirche Shipka

Die Gedenkkirche von Shipka

Sv. Vlas am Sonnenstrand

Am Dienstag, 16.7., am Vormittag sangen wir in der überreich geschmückten Kirche von Sv. Vlas unser zweites Konzert, zu dem wir vor zwei Jahren eingeladen worden waren. Es war gut besucht; der Priester, Vr. Peter segnete uns während des Mnogaja ljeta mit Weihwasser. Am Nachmittag besuchten wir die durch den „Wiedergeburtsstil“ geprägte alte Stadt Nesebar, bevor es am nächsten Tag für einen Teil der Gruppe heimwärts ging, während einige noch ein paar Tage am Meer blieben.

Konzert Sv. Vlas

Nach dem Konzert in Sv. Vlas

Conclusio

Einig waren wir uns, dass wir in zwei Jahren wiederkommen möchten – so Gott will. Es ist wirklich ein schönes und kulturell reiches Land, das verdient, besser kennengelernt zu werden. Aber zuerst freuen wir uns auf den Gegenbesuch von Vr. Asparuch mit seinem Chor aus Vratsa. (Maria H. Duffner)