Buchsprechung: „Wir glauben an die eine heilige Kirche”

Ernst Christoph Suttner, Wir glauben an die eine heilige Kirche.
Die Weite des Katholischen.
Würzburg: Echter Verlag 2013.
121 S., broschiert € 9,90.
ISBN 978-3-429-03623-2

Buchcover

Kirche lebt nur in Vielfalt

Seit dem Zweiten Vatikanum wird die Diskussion um die Gestalt der „einen Kirche“ auf unterschiedlichste Weise heftig geführt. Voraussetzung für eine fruchtbare Diskussion und alle weiterführenden Schritte ist die gründliche Kenntnis der Geschichte der Kirche, der Gründe ihrer unterschiedlichen Gestalt in Ost und West, der Ursache der Spaltungen, der Wege und Irrwege der Kirchenpolitik. Der Frage, was denn die Einheit der Kirche ausmache und wie diese im Laufe der Geschichte verstanden und gesehen wurde, geht der Autor in vorliegendem, nicht allzu umfangreichen, aber spannend zu lesenden Band nach. Er beginnt seine Darstellung mit dem Neuen Testament. Während der Weg des Christentums in den Westen des Römischen Reiches durch die Apostelgeschichte und die Briefe der Apostel gut dokumentiert ist, gibt es für seinen Weg zu den Ostgrenzen und darüber hinaus im Neuen Testament keine und für die Zeit später kaum schriftliche Zeugnisse. Zudem sind die Gemeinden im Osten, die bis nach China nachweisbar sind, spätestens im 15. Jh. erloschen, so dass das Wissen um sie verloren gegangen ist. Verlorengegangen ist damit aber auch das Wissen darum, dass und wie sich die damaligen Gemeinden und Kirchen – trotz aller kulturellen Gegensätze – als die eine Kirche Jesu Christi verstanden haben. Der Autor legt besonderes Augenmerk auf das Verhältnis zwischen den östlichen und den lateinischen Kirchen und zeigt deren – trotz aller kulturellen Unterschiedlichkeiten – erstaunliche Fähigkeit, das Christentum den jeweiligen kulturellen Gegebenheiten einzufügen ohne dabei Glaubenssubstanz und den Anspruch, miteinander die Kirche Jesu zu sein, aufzugeben. Bei aller damit verbundenen Problematik war man war sich bewusst, dass der Weg der Kirche nur der „Weg der Einheit in der Verschiedenheit“ sein kann, dass es niemandem möglich ist, die Einheit der Kirche zu organisieren, sondern dass diese Geschenk Gottes ist, das nur erbetet werden kann. Verliesen Kirchen – und dies betrifft nicht nur die römische – von diesen Weg und versuchten sie, Einheit durch Einheitlichkeit z. B. in der Kirchenleitung oder im Kirchenrecht zu erzwingen, stellte sich bald heraus, dass dieser Weg ins Schisma führt und deshalb zum Scheitern verurteilt ist. – E. Chr. Suttner, langjähriger Ostkirchenkundler an den Universitäten Würzburg und Wien, fasst den derzeitigen Erkenntnisstand zusammen und bietet hier die solide Grundlage für weitere Diskussion und Entwicklung. Empfehlenswert für kirchengeschichtlich Interessierte sowie für ökumenisch engagierte Menschen. (Hanns Sauter)