Buchbesprechung: „Wo das Licht wohnt”

Rowan Williams: Wo das Licht wohnt.
Betrachtungen zu Christus-Ikonen.
Göttingen: Vandenhoek und Ruprecht 2006.
ISBN 978-3525633694

Buchcover

Ikonen beziehen in das Geheimnis Jesu ein

Ikonen sind weder Wandschmuck noch Darstellungen von Ereignissen der Vergangenheit, sondern Vergegenwärtigung dessen, was auf ihnen dargestellt ist und somit Einladung, sich mit den Dargestellten auseinanderzusetzend und Einladung zum betrachtenden Gebet. Daher macht sich jeder, der sich in Ikonen vertieft, auf den Weg in die Welt, in der Diesseits und Jenseits ineinander übergehen. Alle diese Aspekte macht dieser kleine Band auf besonders tiefe Weise deutlich. Er enthält Betrachtungen zu vier Ikonen mit Schlüsselmotiven: dem Pantokrator, der Auferstehung und Verklärung Jesu sowie der Gastfreundschaft des Abraham, die wiederum auf ihre eigene Weise in das Geheimnis Jesu führen. Dies wiederum ist aber das Geheimnis des dreifaltigen Gottes, der in den Worten und Taten Jesu uns seine Liebe zeigt. Die Grundlagen der Reflexion sind die Bibel und die Kirchenväter. Dem Verfasser (dem anglikanischen Erzbschof von Canterbury) gelingt es diese in Beziehung zu setzen sowohl zueinander, zu den Ikonen und zu unserem Leben. Dies tut er in der einfachenden und verweilenden Sprache des betrachtenden Gebetes, das zu einem wirklichen Gespräch mit Jesus über Gottes Absichten mit den Menschen wird. (Anerkennung gebührt hier auch der Übersetzerin!) Dieses kleine Buch liest man nicht einmal, um es dann ins Bücherregal zu stellen, sondern verwendet es immer wieder als Gebets- und Meditationshilfe auf dem Weg dorthin, wo das Licht wohnt. (Hanns Sauter)