Buchbesprechung Hollerweger: Bei den Christen im Orient

Hans Hollerweger:
Bei den Christen im Orient.
Begegnungen, Erfahrungen, Hilfen.
ICO Linz 2018.
24 €
ISBN 978-3-90304033-5
Erhältlich bei: ICO, Friedensplatz 2, 4020 Linz, office@christlicher-orient.at, Tel/Fax +43 (0) 732 773148.

Buchcover Hollerweger

Ein Buch, das Brücken zu den Christen im Orient baut

Um es gleich vorweg zu sagen: Dieses Buch baut glaubwürdige und tragfähige Brücken für eine mitfühlende und verstehende Beziehung zum Mittleren und Nahen Osten. Es ist das Werk eines Autors, der seine Kenntnis nicht nur vom Schreibtisch her oder als gelegentlicher Tourist erworben hat, sondern in ehrlicher und selbstloser Weise 25 Jahre lang Erfahrungen in Begegnungen und bei Hilfsaktionen für die Nöte und Sorgen der Menschen vor Ort gesammelt hat.

Für ein Grundverständnis beim Umgang mit den verschiedenen Konfessionen kommt ihm seine Tätigkeit als Liturgiewissenschaftler zu Gute. Dazu trägt auch seine zurückhaltende, vornehme und herzliche Demut bei, vor allem aber seine humorvolle Art, Pannen und sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, so dass sich für „Father Hans“, wie er liebevoll genannt wird, viele Türen bis in die Herzen der Menschen auftun.

Diese Türen zu interreligiösen und interkonfessionellen Begegnungen durchschritt Hans Hollerweger vor allem auch in politisch schwierigen Zeiten immer wieder mutig und voller Gottvertrauen, woraus ihm bis heute viele tragfähige Freundschaften erwachsen sind. Regelmäßig ist von den Menschen vor Ort zu hören: „Father Hans kam auch in den gefährlichen Zeiten zu uns.“ Er hat Leid mitgetragen und mancher Not abgeholfen. Ein Lebensmotto für ihn ist: „Wer nichts tut, kommt immer zu spät!“ Die von ihm ins Leben gerufenen Hilfswerke „Freunde des Tur Abdin“ (1989) und „Initiative Christlicher Orient“ [ICO] (2000) und alles, was durch sie geleistet wurde, geben beredtes Zeugnis von ihrem Initiator.

Dieses Buch „Bei den Christen im Orient“ ist einerseits eine Anleitung und Ermutigung, über die eigenen Grenzen hinauszuschauen, andererseits eine unaufdringliche und gelungene Führung an der Hand eines Altmeisters in die kunstgeschichtlichen, religionsgeschichtlichen, konfessionskundlichen und spirituellen Bereiche des Orients. Dabei ist Hans Hollerweger in seiner Darstellung nicht nur ein Meister der Reduktion auf das Wesentliche, sondern auch ein begeisternder und beim Thema bleibender Erzähler.

Die Schwerpunkte dieses Buches sind – neben den prägnanten kunst- und kulturgeschichtlichen Ausführungen zu den jeweiligen Orten und Konfessionen – die einzelnen Situationen der Menschen vor Ort und die vielfältigen Begegnungen mit ihnen.

Die Darstellung seiner Erfahrungen ist geographisch geordnet nach den Ländern des Orients: Türkei, Tur Abdin, Heiliges Land, Libanon, Syrien, Irak.

Mit Gewinn habe ich dieses Buch gelesen und kann es nur empfehlen. Es ist eine wunderbare summa brevis des vorletzten Lebensabschnittes eines Professors, der als Priester und homo viator nochmals durchgestartet ist und dabei nicht nur Länder-, sondern auch Konfessions- und Religionsgrenzen mutig, aufrichtig und mitfühlend überschritten hat und so seinen Weg zu den Herzen der Menschen fand. (Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer)

Hans Hollerweger: „Beim kirchlichen Engagement für die Christen im Orient „gibt es noch sehr viel Luft nach oben… Am meisten hilft ‚Kirche in Not‘. Aber gesamt gesehen könnte, ja müsste es noch sehr viel mehr sein…”