Buchbesprechung: „Die Wüstenmütter”

Gabriele Ziegler: Die Wüstenmütter.
Weise Frauen des frühen Christentums
Mit einem Vorwort von Anselm Grün.
Stuttgart: Verlag Kath. Bibelwerk (Camino) 2015.
160 S.
€ 18,00
ISBN 978-3460-50003-7

Buchcover

Christliche Aussteigerinnen der spätantiken Gesellschaft

Als „Wüstenmütter“ werden Frauen der ersten christlichen Jahrhunderte bezeichnet, die aus der antik-frühchristlichen Gesellschaft ausbrechen, die den Ruf zur Nachfolge Christi radikal verwirklichen und – meist in der Wüste Unterägyptens – ein Leben in Abgeschiedenheit und Gebet führen. Wie die bekannteren und in weiten Kreisen geschätzten Wüstenväter waren auch sie geistliche Ratgeberinnen und Begleiterinnen für zahlreiche Menschen ihrer Zeit, gerieten aber in Vergessenheit. Erst in jüngerer Zeit werden sie mit ihrer geistlichen Ausstrahlung wieder neu entdeckt. Ihre Viten lesen sich spannend, die von ihnen überlieferten Texte und Sprüche kreisen um Gottsuche, Nachfolge, das richtige Verständnis von Demut und Askese, die Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensweg und anderen über die Jahrhunderte aktuelle Lebens- und Glaubensthemen. Die für die Zeit des frühen Mönchtums ausgewiesene Fachfrau porträtiert hier flüssig und prägnant einige der Wüstenmütter: Theodora, Sarrha, Synkletika, Maria von Ägypten sowie die Amme Benedikts von Nursia, stellt sie in den Zusammenhang ihrer männlichen Kollegen. Im Kapitel: „Was haben wir von diesen Geschichten?“ erschließt sie dem heutigen Leser, der heutigen Leserin neu die weiblichen Aspekte einer Lebensweise, die man – zumindest für sehr, sehr lange Zeit – als nur Männern möglich empfunden hat und zeigt auf, dass Seelenführung und geistliche Begleitung durch kompetente Frauen damals anerkannt war. Die gefragten geistlichen Begleiterinnen von damals haben aber auch heute viel zu sagen! (Hanns Sauter)