Buchbesprechung: „Die Türkei und ihre christlichen Minderheiten”

Wilhelm Baum: Die Türkei und ihre christlichen Minderheiten.
Die Christenpolitik des Osmanischen Reiches und ihre Spuren in der heutigen Türkei.
Klagenfurt: Kitab 2005.
ISBN 978-3902005564

Buchcover

Hier liegt eine umfassende, sehr engagierte Darstellung der Situation der christlichen Minderheiten unter türkischer Herrschaft vor, seit ungefähr dem Jahre 1000 bis heute. Nach der Eroberung des byzantinischen Reiches lebten die Christen – griechisch Orthodoxe, Syrer, Armenier, Georgier u. a. dort als Minderheiten unter türkisch-islamischer Herrschaft und waren zahlreichen Anfeindungen, Repressalien und Benachteiligungen ausgesetzt. Ihren Höhepunkt fanden diese in den Massakern an den Armeniern, als während des ersten Weltkrieges die jungtürkische Revolution die Gunst der Stunde nutzte, um radikale Säuberungen nach ethnisch-rassistischen Gesichtspunkten durchführen. Alle am Krieg beteiligten Mächte wussten davon, doch waren ihnen nationale Interessen wichtiger als das Schicksal hunderttausender unschuldiger Menschen. Das Fortleben jungtürkischer Ideen von damals verhindert bis heute eine kritische Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels der türkischen Vergangenheit, die im Zuge der EU-Beitrittsverhandlungen aber vehement eingefordert wird. Ein Buch, das zur aktuellen Diskussion um die Frage ob der Türkei ein Platz in der EU zukomme, einen wichtigen Beitrag aus historischer Sicht leistet. Wer danach greift, braucht allerdings starke Nerven. (Hanns Sauter)