Buchbesprechung: „Bilder göttlichen Lebens”

Henri Nouwen, Peter Dyckhoff: Bilder göttlichen Lebens.
Ikonen schauen und beten.
Freiburg: Herder 2007
ISBN 978-3451296529

Buchcover

Zwei persönliche Zugänge zur Welt der Ikonen

Vor mehreren Jahren ist im Herder-Verlag unter demselben Titel ein kleines Buch von Henri Nouwen (1991–1996) erschienen, das sehr berührende Betrachtungen zu einigen berühmten Ikonen enthält: der Dreifaltigkeitsikone und des Erlösers von Zvenigorod von Andrej Rublev, der Gottesmutter von Vladimir sowie einer Pfingstikone von Novgorod. Diese Meditationen sind in diesem schön gestalteten Buch nochmals enthalten – allerdings eingebettet durch Betrachtungen von Peter Dyckhoff, der hier seinen Weg zur Ikone schildert: seine erste Begegnung mit der Osterikone während seiner Jugendzeit in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg, vor allem aber die Begegnung mit der Ikone der Gottesmutter Tricherusa in einer Ikonengalerie in Jerusalem. Der Eindruck, den diese Ikone auf ihn machte, ist Anlass zu einer sehr persönlichen Hinführung Dyckhoffs zur Ikonenspiritualität am Beispiel diese Darstellung. Unerwartet stellte sich für Dyckhoff in Jerusalem heraus, dass die Ikone der Gottesmutter mit den drei Händen auch Henri Nouwen beschäftigt. Dieses gemeinsame Interesse dokumentiert ein Briefwechsel zwischen beiden, der hier veröffentlicht ist. Eine Betrachtung der Gottesmutter Tricherusa von Nouwen, erstmals in deutscher Sprache hier veröffentlicht, ergänzt dessen vier frühere Ikonenbetrachtungen. – Der Leser trifft hier auf ein eindrucksvolles Zeugnis dessen, in welche geistliche Tiefen die Ikonen hineinzuführen vermögen, da sie nicht einzelne Abschnitte der Heilsgeschichte einfach erzählen, sondern – eine jede auf ihre Weise – einen Zugang eröffnen zu der Liebe, mit der Gott auf die Menschen zugeht, mit der er sie tragen und durch die er sie vollenden möchte. (Hanns Sauter)