Aus dem Rundbrief 2012/2

Liebe Freunde des Andreas-Petrus-Werks!

rundbrief2012-02

Beim Besuch des Oberhaupts der Russisch-Orthodoxen Kirche, Kirill I., in Polen beeindruckte die Art und Weise, wie der Patriarch von Versöhnung sprach: Jetzt, nach der Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung der Russ. Orth. Kirche und der Kath. Kirche, sei der erste Schritt dazu getan, „dass die Menschen anfangen, um eine Verbesserung unserer bilateralen Beziehungen zu beten.“ Die noch so feierlich inszenierte Geste der Versöhnung macht Geschehenes nicht ungeschehen. Der Respekt vor den Wunden, die man einander in der Vergangenheit zugefügt hat, gebietet Zurückhaltung bezüglich dessen, was menschliches Bemühen bewerkstelligen kann. Versöhnung beginnt dort, wo Menschen lernen und fähig werden, das Werk der Versöhnung Gott anheim zu stellen.Für Menschen mit Beeinträchtigung des Seh- und Hörvermögens sind die Hände das wichtigste Instrument, um mit der Außenwelt in Kontakt zu treten und sich mitzuteilen. Aber auch sonst brauchen wir die Hände, um uns verständlich zu machen. Hände „sprechen“. Ein „warmer Händedruck“ gibt dem Gesprächspartner zu verstehen, dass ich ihm mit Offenheit und Respekt begegne. Mit Händen (und Füßen) wehren wir uns gegen Zudringlichkeiten.

So gesehen hat Patriarch Kirill die Tür zur Versöhnung eigentlich erst dadurch aufgestoßen, dass er die in der Begegnung mit Erzbischof Józef Michalik schriftlich dokumentierte Bereitschaft zur Versöhnung nach Grabarka, dem polnischen „Berg der Verklärung“, mitgenommen und in das Taborlicht der Liturgie zum Fest der Verklärung hin eingestellt hat, wie es denn seit Beginn der
Wallfahrt zu diesem heiligen Berg Brauch ist, ein Kreuz mitzunehmen und dort am Vorabend des Fests aufzupflanzen. „Der einzige Weg, die Beziehungen zwischen zwei Nationen zu verbessern, ist der, es mit Gottes Hilfe zu tun“, so der Patriarch.

serafim

Für den christlichen Osten ist das Gebet die Ausdrucksform christlichen Glaubens schlechthin. Es ist kein Zufall, dass hier, inspiriert von den Mönchsvätern, die Übung des Jesusgebets bzw. Herzensgebets auf fruchtbaren Boden fiel. Ein besonders leuchtendes Beispiel eines großen Beters, dessen Spiritualität aus der Kraft des Jesusgebets gespeist wurde, ist der hl. Serafim von Sarov (1759–1833). Von ihm wird berichtet, dass er wie einer der Säulenheiligen der frühen Kirche in seiner Waldhütte 1000 Nächte stehend oder kniend auf einem Stein verbracht hat. Die hier abgebildete Ikone zeigt den Heiligen kniend im Gebet versunken und doch hellwach, die Hände geöffnet und bereit, den Segen des Herrn zu empfangen.

Unter der Leitung von P. Andreas Bonenberger, den ich als neues Mitglied im Vorstand des Andreas-Petrus-Werks begrüßen darf, besteht im Byzantinischen Gebetszentrum St. Markus in Salzburg
die einmalige Gelegenheit, in die ostkirchliche Tradition des Jesusgebets einzutauchen. Sein Beitrag in diesem Rundbrief ist zugleich eine Einladung: Jeweils am 2. und 4. Dienstag im Monat
um 19.30 Uhr leitet er in St. Markus eine Gebetsstunde.

So hoffe und wünsche ich, dass Ihnen die Lektüre Freude bereitet und – unterstützt durch die neu gestaltete Briefzustellung – Ihr Interesse für den spirituellen Reichtum des Christlichen Ostens zu erhalten und zu wecken vermag. Ich baue auf Ihre Verbundenheit mit unserem Hilfswerk: Durch Ihr Gebet, durch Übersendung von Messintentionen, durch Spenden für bestimmte Projekte, wie sie auch in diesem Rundbrief vorgestellt werden (Katechetisches Zentrum in Burshtyn und Sozialwerk des St. Elisabeth-Klosters in Minsk). Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage.

Bleibt mir noch, im Namen der Christen im Osten in aller Form „Danke!“ zu sagen für alles, was durch Ihr Interesse und Ihre Treue wiederum an Hilfeleistung möglich geworden ist!

P. Gottfried Glaßner OSB