Aus dem Rundbrief 2012/1

Liebe Freunde des Andreas-Petrus-Werks!

rundbrief2012-01

Für Menschen mit Beeinträchtigung des Seh- und Hörvermögens sind die Hände das wichtigste Instrument, um mit der Außenwelt in Kontakt zu treten und sich mitzuteilen. Aber auch sonst brauchen wir die Hände, um uns verständlich zu machen. Hände „sprechen“. Ein „warmer Händedruck“ gibt dem Gesprächspartner zu verstehen, dass ich ihm mit Offenheit und Respekt begegne. Mit Händen (und Füßen) wehren wir uns gegen Zudringlichkeiten.

Die ans Kreuz geschlagenen Hände unseres HERRN sprechen nicht, können nichts abwehren, können vor allem den Menschen nicht die heilsame Nähe Gottes verkünden. Abgründe radikaler Einsamkeit und Beziehungslosigkeit, für die nach ostkirchlicher Diktion der Hades als personifizierte Unterwelt steht, tun sich auf und triumphieren. Wird der Sieg der Unterwelt von Dauer sein? Nein! Aus der Perspektive, in der die Ostkirche das österliche Heilsdrama sieht, bleibt der Gekreuzigte nicht in den Fängen des Hades! Anastasis, Auferstehung, bedeutet, dass er die Tore der Unterwelt durchbricht, dass er, wie es die Auferstehungsikone so eindrucksvoll darstellt, seine Hände wieder als „Instrument“ der Erlösung einsetzen kann und das Menschengeschlecht (Adam und Eva) packt und der Machtsphäre des Todes entreißt.

Mit Metropolit Michael (Staikos) ist, wie sein im Jahr 2000 erschienenes Buch über das Geheimnis der Auferstehung unterstreicht, ein Mann von uns gegangen, der in seinem Hirtendienst, im Einsatz für die Ökumene, vor allem aber in seinem Leidensweg den Glauben an die Auferstehung gelebt hat. Es ist wohl nicht zuletzt eine Frucht dieses seines Glaubens, dass die Bestellung des Nachfolgers so rasch vonstatten ging und die Weihe und Amtseinführung von Metropolit Arsenios (Kardamakis) von einer ganz selbst­verständlichen geschwisterlichen Verbundenheit der Kirchen zeugte. Sie ist in diesem Rundbrief in Wort und Bild schlaglichtartig dokumentiert.

Abt Michael K. Proházka O.Praem. von Geras, den wir als neuen Referenten für die Diözese St. Pölten begrüßen dürfen, kommt in seinem Beitrag ebenfalls auf die Auferstehung als dem Angelpunkt des liturgischen und geistlichen Lebens der Ostkirche zu sprechen. Ich danke ihm für die Bereitschaft zur Mitarbeit.
Besonderer Dank gilt auch dem scheidenden Referenten DDr. Johann Krammer für sein engagiertes Mitdenken, desgleichen Mag. Josef Huber-Germanstatt, der das durch 18 Jahre unter großem persönlichen Einsatz betreute Hilfsprojekt zugunsten der Waisenkinder und Hilfsbedürftigen in der Obhut der Russ. Orth. Kirche nunmehr beendet.

Ich danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre Dienste. Ich danke im Namen unserer Schwestern und Brüder in den Ostkirchen vor allem Ihnen, die Sie mit Ihrem Gebet, mit Ihrem Interesse, mit Ihren Gaben, mit der Überlassung von Messintentionen mithelfen, dass Auferstehung mitten in unserer Welt geschieht und geschehen kann.

Beim traditionellen Herzogenburger Georgsfest am 23. April dieses Jahres zeigte sich Propst Maximilian Fürnsinn „erfreut, dass auf der neuen Donaubrücke bei Traismauer nicht irgendeine farblose Abstraktion stehen wird, sondern ein Heiliger mit Blut und Leben“, eine Figur, die der bekannte Sakral-Bildhauer Oskar Höfinger geschaffen hat. Im Rahmen der Festmesse segnete Propst Maximilian auch eine prächtige St. Georgs-Ikone, ein Werk des aus Südkorea stammenden Chorherrn Laurentius Seong. Der Kampf Georgs mit dem Drachen sei zum Symbol dafür geworden, dass „das Böse letztlich keine Chance hat, auch wenn es übermächtig erscheint“, so Propst Maximilian. Seit 1112 begleitet der hl. Georg das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg als Stiftspatron. 2012 wird das 900-Jahr-Jubiläum der Gründung begangen.

Christus ist auferstanden! –

Er ist wahrhaft auferstanden!

P. Gottfried Glaßner OSB

Bild: © kathbild.at/Rupprecht

Der neue Metropolit von Austria Arsenios (Kardamakis) überreicht nach der Göttlichen Liturgie am Andreasfest (30.11.2011) das gesegnete Brot (das Antidoron) an Erzbischof Dr. Alois Kothgasser SDB, der als Vertreter der Österreichischen Bischofskonferenz an der Bischofsweihe im Phanar, dem Sitz des Ökumenischen Patriarchen, teilgenommen hat.